Trigger, Ent-Rüstung &
Homöopathie.
Hinter jeder Rüstung wartet das Leben.
Die spannendste Frage lautet nicht: ‚Warum macht die Regierung das?‘, sondern: ‚Warum bewegt mich dieses Thema so tief?‘
Homöopathie in Frage!
Seit meinem Newsletter über Babel haben mich viele Zuschriften erreicht. Eine Frage ist dabei immer wieder aufgetaucht:
„Wie kann ich in Entwicklungen auf der Welt einen Sinn erkennen, wenn sie doch offensichtlich so viel Negatives, Wut und Unruhe auslösen?“
Hat dich die Nachricht aufgeregt oder sogar getriggert? Kurz vor der politischen Sommerpause wurde beschlossen, alternative Heilmethoden wie Homöopathie oder anthroposophische Behandlungen aus den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen. Viele Menschen reagieren mit Enttäuschung, Wut oder Fassungslosigkeit; sind also in ihren Gefühlen angetriggert. Heilpraktiker, Therapeuten, große Firmen, Schulen und zahlreiche Familien fragen sich, wie es nun weitergehen soll. Solche fragwürdigen Entscheidungen im Außen, können einen so richtig wütend machen.
Auf der Inhaltsebene ist diese Reaktion, mit all ihrer Entrüstung, vollkommen nachvollziehbar. Ich möchte hier aber nochmal ein paar Hintergründe zum Thema: „ich bin getriggert“ einfügen und auch das Wort „Entrüstung“ bei der Gelgenehit genauer betrachten.
Trigger – Warum sich Konflikte immer wiederholen
Dieser Begriff wird erstaunlich selten wirklich verstanden: Trigger. Viele Menschen sagen: „Das triggert mich.“ Meist folgt daraus die Schlussfolgerung, dass der andere etwas falsch gemacht hat, sich anders verhalten oder bestimmte Themen vermeiden sollte. Genau an diesem Punkt beginnt jedoch ein Missverständnis. Ein Trigger zeigt nicht auf den anderen Menschen. Er zeigt auf etwas in uns selbst. (Im vorigen Newsletter hatte ich es in Bezug auf Facebook oder Instagram bereits beschrieben, gerne nochmal nachlesen!)
Jeder Mensch ist zwar Körper, aber sein Leben und Erleben ist definiert durch ein feinstoffliches Resonanzfeld, in dem das gesamte Leben und alle Erfahrungen abgespeichert sind. Alles, was wir in unserem Leben erlebt haben, hinterlässt Spuren. Liebe, Geborgenheit, Anerkennung und Vertrauen ebenso wie Ablehnung, Angst, Scham oder das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Erfahrungen, die wir vollständig verarbeitet haben, verlieren ihre emotionale Ladung. Andere bleiben als ungelöste Verletzungen in unserem Inneren oder eben diesem sensiblen Resonanzfeld, bestehen. Sie verschwinden nicht einfach mit der Zeit. Sie werden lediglich überdeckt. Solange sie nicht erkannt, angenommen und integriert werden, reagieren sie auf ähnliche Situationen im Außen wie ein empfindlicher Nerv; dann sind wir getriggert.
Ein Trigger ist deshalb nichts anderes als der Hinweis auf eine innere Verletzung. Der Auslöser liegt im Außen. Die eigentliche Ursache liegt jedoch im Inneren.
Der Mensch, der im Außen etwas sagt oder tut, oder auch die Überschriften in den Nachrichten, die Schlagzeilen in den Medien, erschaffen den inneren Schmerz nicht neu. Es wird lediglich etwas berührt, das in uns bereits vorhanden ist. Genau deshalb reagieren Menschen manchmal völlig unverhältnismäßig auf eine kleine Bemerkung oder eine harmlose Situation. Von außen betrachtet wirkt die Reaktion überzogen. Für den Betroffenen fühlt sie sich vollkommen real an. In diesem Moment reagiert nicht der Erwachsene, der über Jahrzehnte Lebenserfahrung verfügt. Es reagiert der verletzte Anteil, der genau an dieser Stelle irgendwann stehen geblieben ist.
Ich erlebe dieses Prinzip immer wieder. Ein Kollege von mir trägt seit seiner Kindheit die tiefe Überzeugung in sich, nichts zu können. Seine Eltern vermittelten ihm als Kind über viele Jahre genau dieses Gefühl. Heute ist er über siebzig Jahre alt, erfolgreich und fachlich kompetent. Sobald jedoch jemand seine Arbeit hinterfragt oder Kritik äußert, verändert sich seine gesamte Ausstrahlung innerhalb weniger Sekunden. Plötzlich steht kein souveräner Erwachsener mehr vor einem. Es reagiert der kleine Junge, der sich damals hilflos, beschämt und wertlos fühlte. Die Situation im Hier und Jetzt ist nicht das eigentliche Problem. Sie aktiviert lediglich den alten Schmerz. Genau deshalb erscheint seine Reaktion für Außenstehende unverhältnismäßig, für ihn selbst ist der alte Schmerz aktuell spürbar, seine Reaktion also vollkommen nachvollziehbar. Tatsächlich sind die emotionalen Blockaden wie eine Rüstung, wie ein Panzer, der wirkliche Entwicklung, raus aus den Kinderschuhen, hinein in die Eigenverantwortung, verhindert.
Ein kollektives Thema!
Dieses Prinzip begegnet uns überall. Ein Nachbar regt sich maßlos darüber auf, dass das Auto des anderen wenige Minuten vor seiner Einfahrt steht. Oberflächlich betrachtet geht es um einen Parkplatz. Tatsächlich kann dahinter das tiefe Gefühl stehen, ständig übergangen oder nicht respektiert zu werden. Die Einfahrt wird zum Symbol für etwas viel Größeres. Wer ausschließlich über den Parkplatz diskutiert, wird den Konflikt kaum lösen, weil der eigentliche Schmerz an einer ganz anderen Stelle liegt.
Besonders eindrucksvoll zeigt sich dieses Phänomen in Familien. Kinder besitzen die erstaunliche Fähigkeit, genau jene Themen sichtbar zu machen, die ihre Eltern noch nicht verarbeitet haben. Ein trotziges Kind kann bei einem Erwachsenen heftige Wut, Ohnmacht oder Verzweiflung auslösen. Das Verhalten des Kindes berührt unbewusst die eigene Kindheit. Wer selbst nie widersprechen durfte, erlebt den Widerspruch des eigenen Kindes nicht nur als aktuelles Verhalten. Er erlebt gleichzeitig die Erinnerung an die eigene Hilflosigkeit. Das Kind hält den Eltern einen Spiegel vor, ohne dies bewusst zu tun. Deshalb sprechen viele Menschen vom „inneren Kind“. Gemeint ist jener Teil in uns, der alte Erfahrungen gespeichert hat und bis heute, mit dem gleichen Schmerz der Kindheit, auf ähnliche Situationen reagiert.
Ich sehe genau dieses Prinzip auch im gesellschaftlichen und politischen Geschehen. Viele Diskussionen eskalieren innerhalb weniger Minuten. Begriffe allein reichen aus, damit Menschen wütend werden, sich angegriffen fühlen oder sofort in den Kampfmodus wechseln. Sachliche Argumente verschwinden vollständig hinter starken Emotionen. Jede Seite ist überzeugt, im Recht zu sein, und jede Seite erlebt sich selbst als Opfer der anderen. Betrachtet man diese Dynamik unter dem Gesichtspunkt der Trigger, entsteht ein völlig neues Bild. Dann diskutieren nicht mehr nur unterschiedliche Meinungen miteinander. Es begegnen sich unzählige unverarbeitete Verletzungen, Ängste und Lebenserfahrungen. Jede Aussage berührt einen anderen Schmerzpunkt. Jeder reagiert aus seinem eigenen Resonanzfeld heraus. Genau dadurch entstehen Fronten, die mit reinen Fakten kaum noch erreichbar sind.
Für mich erklärt dieses Verständnis auch, weshalb gesellschaftliche Konflikte immer heftiger werden. Menschen kämpfen leidenschaftlich gegen Meinungen, Worte oder Personen, obwohl der eigentliche Kampf in ihrem Inneren stattfindet. Je größer die unverarbeitete Verletzung ist, desto heftiger fällt die Reaktion aus. Wer seinen eigenen Schmerz nicht erkennt, erlebt zwangsläufig den anderen als Ursache. Damit beginnt eine Endlosschleife. Der andere erscheint als Feind, obwohl er lediglich einen vorhandenen Schmerz sichtbar gemacht hat.
Viele Menschen versuchen, ihre Trigger zu vermeiden. Sie ziehen sich zurück, brechen Beziehungen ab, wechseln den Arbeitsplatz, meiden bestimmte Themen oder umgeben sich nur noch mit Menschen, die dieselbe Meinung vertreten. Kurzfristig fühlt sich das entlastend an. Langfristig bleibt die eigentliche Verletzung jedoch unverändert bestehen. Sie wartet lediglich auf den nächsten Auslöser. Das erklärt, weshalb sich dieselben Konflikte mit unterschiedlichen Menschen immer wiederholen. Die Verpackung verändert sich. Das Thema bleibt identisch.
Wozu Trigger eigentlich da sind:
Genau an dieser Stelle entscheidet sich persönliche Entwicklung. Jeder Trigger eröffnet die Möglichkeit, sich selbst besser kennenzulernen. Statt ausschließlich auf den anderen zu schauen, entsteht die Frage: Warum berührt mich genau dieses Thema so tief? Warum löst gerade diese Bemerkung eine so starke Reaktion aus? Welche Erfahrung in meinem Leben schwingt hier noch mit? Allein diese Fragen verändern die Blickrichtung vollständig. Die Verantwortung wandert vom anderen zurück zu uns selbst.
Das bedeutet keineswegs, jedes Verhalten gutzuheißen oder keine Grenzen mehr zu setzen. Respektlosigkeit bleibt Respektlosigkeit. Gewalt bleibt Gewalt. Manipulation bleibt Manipulation. Ich kann mich fragen, warum begegnet ausgerechnet mir das? Und damit liegt gleichzeitig in jeder emotionalen Überreaktion die Einladung, die eigene innere Landschaft besser kennenzulernen. Wer ausschließlich den anderen verändern möchte, bleibt abhängig vom Verhalten anderer Menschen. Wer den eigenen Trigger erkennt und bearbeitet, gewinnt Schritt für Schritt innere Freiheit und Eigenverantwortung zurück.
Für mich sind Trigger deshalb keine Störung. Sie sind Wegweiser. Sie zeigen zuverlässig auf jene Bereiche, in denen Entwicklung noch möglich ist. Jeder bearbeitete Trigger schenkt ein Stück Gelassenheit. Situationen, die früher heftige Gefühle ausgelöst haben, verlieren ihre emotionale Wucht. Plötzlich wird eine Kritik zu einer Information, eine Meinungsverschiedenheit zu einem Gespräch und eine Auseinandersetzung zu einer Gelegenheit, den anderen besser zu verstehen. Nicht das Außen hat sich verändert. Der innere Schmerz hat seine Macht verloren.
Vielleicht beginnt genau hier ein neues Verständnis von persönlichem Wachstum und gesellschaftlichem Wandel. Nicht die Frage „Wer hat angefangen?“ bringt uns weiter, sondern die Frage „Warum reagiert dieses Thema in mir so stark?“ Solange wir unsere Trigger ausschließlich im Außen suchen, drehen wir uns im Kreis. Sobald wir erkennen, dass jeder Trigger ein Hinweis auf einen ungeheilten Anteil in uns selbst ist, entsteht die Möglichkeit, diesen Kreislauf zu verlassen. Aus einem schmerzhaften Auslöser wird ein Entwicklungshelfer. Aus einem Konflikt wird eine Einladung. Und aus einer alten Verletzung kann mit der Zeit ein Ort werden, an dem Verständnis, Mitgefühl und innere Freiheit entstehen.
Trigger bis zum Äußersten
Das Prinzip des Triggers ist für mich ausgesprochen komplex und spannend. Für mich beginnt kein Konflikt zufällig oder plötzlich. Er entwickelt sich über viele kleine und große Verletzungen, die nie wirklich angeschaut wurden.
Selbst bei schwersten Straftaten frage ich mich deshalb nicht nur: Was hat dieser Mensch getan?, sondern auch: Welche Verletzungen trägt er in sich, dass er zu einer solchen Tat überhaupt fähig wurde? Ganz nach dem Motto:“ Wer hat dich so verletzt, dass du so verletzen musst?“
Das bedeutet selbstverständlich nicht, Gewalt zu entschuldigen oder Verantwortung aufzuheben. Jeder Mensch trägt die Verantwortung für sein Handeln und muss die Konsequenzen seiner Entscheidungen tragen.
Gleichzeitig glaube ich, dass kein Mensch als Mörder geboren wird. Hinter jeder Gewalttat stehen aus meiner Sicht Verletzungen, Kränkungen, Ängste, Demütigungen oder Erfahrungen, die niemals verarbeitet wurden und sich über Jahre oder Jahrzehnte aufgestaut haben. Irgendwann genügt dann ein weiterer Trigger, um das Fass zum Überlaufen zu bringen.
Genau deshalb halte ich es für so wichtig, Trigger nicht als lästige Begleiterscheinung unseres Lebens abzutun. Jeder erkannte und bearbeitete Trigger nimmt einer alten Verletzung ihre Macht. Jeder Schritt der Ent-Rüstung macht es unwahrscheinlicher, dass ungelöste Schmerzen unser Denken und Handeln bestimmen.
Für mich beginnt Frieden deshalb nicht erst zwischen Staaten oder in der Gesellschaft. Er beginnt dort, wo ein Mensch den Mut findet, seine eigene innere Rüstung abzulegen, statt sie immer weiter zu verstärken.
Was hat das Alles mit dem Theam Homöopathie zu tun?
Genau an diesem Punkt schließt sich für mich der Kreis. Die aktuelle Diskussion um die Homöopathie ist für mich viel mehr als eine politische Entscheidung. Sie ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie Entwicklung funktioniert. Viele Menschen sind gerade aufgebracht. Sie fühlen sich nicht ernst genommen, in ihrer Freiheit eingeschränkt oder erleben die Entscheidung als weiteren Schritt in eine Richtung, die sie nicht mittragen möchten. Das kann ich gut nachvollziehen. Gleichzeitig frage ich mich: Was genau wird hier eigentlich getriggert?
Geht es wirklich nur um Homöopathie?
Oder berührt diese Entscheidung etwas viel Tieferes?
Genau hier beginnt für mich der Unterschied zwischen dem Inhalt eines Ereignisses und seinem eigentlichen Sinn. Der Inhalt erzählt eine Geschichte über Politik, Krankenkassen, Geld, Gesetze und medizinische Versorgung. Der Sinn erzählt für mich eine ganz andere Geschichte. Er zeigt uns unsere Trigger.
Jeder Trigger macht sichtbar, wo wir innerlich noch eine Rüstung tragen. Diese Rüstung ist nicht zufällig entstanden. Sie hat uns irgendwann geschützt. Sie half uns, Enttäuschungen auszuhalten, Ablehnung zu überleben oder schwierige Erfahrungen zu verarbeiten. Damals war sie notwendig. Heute verhindert sie häufig genau das, wonach wir uns eigentlich sehnen: Freiheit, Gelassenheit und Entwicklung. Deshalb liebe ich dieses kleine Wortspiel.
Wir kennen alle die Entrüstung.
Wir entrüsten uns über Politiker, Behörden, Gesetze oder Entscheidungen. Wir diskutieren, argumentieren, schreiben Kommentare und regen uns auf. Das Interessante daran ist: Aufregung ist zunächst überhaupt nichts Negatives. Sie setzt Energie frei. Die eigentliche Frage lautet nur: Wohin fließt diese Energie?
Bleibt sie in der Empörung stecken, kämpfen wir gegen etwas und die Energie verpufft.
Fließt sie jedoch in unsere Eigenverantwortung, beginnt Entwicklung.
Unsere Zeit braucht deshalb weniger Entrüstung und viel mehr Ent-Rüstung.
Nicht noch mehr Kampf. Nicht noch mehr Brandmauern. Nicht noch dickere Schutzschichten.
Sondern den Mut, die eigene innere Rüstung Stück für Stück abzulegen.
Genau deshalb sehe ich die aktuellen Entwicklungen mit anderen Augen. Ich muss sie nicht gut finden. Ich muss sie nicht begrüßen. Ich kann mit einer politischen Entscheidung überhaupt nicht einverstanden sein und gleichzeitig erkennen, dass sie etwas Wertvolles in Bewegung bringt. Was bisher für viele selbstverständlich war, wird plötzlich zum Anlass, sich intensiv mit Homöopathie, Naturheilkunde und Eigenverantwortung auseinanderzusetzen. Aus einer Einschränkung entsteht eine neue Bewusstheit. Menschen informieren sich selbst. Sie lesen Bücher. Sie besuchen Vorträge. Sie sprechen miteinander. Sie tauschen Erfahrungen aus. Sie recherchieren im Internet, nutzen soziale Medien oder die Künstliche Intelligenz und entdecken neue Zusammenhänge. Sie übernehmen Verantwortung für ihren eigenen Körper und ihre Gesundheit, auch finanziell. Oder sie spüren, dass ihnen das Geld ihre Gesundheit nicht wert ist!
Eigenverantwortung beginnt erstaunlich häufig genau dort, wo Selbstverständlichkeiten enden.
Ich persönlich habe nie erwartet, dass der Staat etwas finanziert oder vollständig anerkennt, dessen Grundlagen er weder kennt noch teilt. Diese Erwartung wäre für mich schon immer widersprüchlich gewesen.
Gleichzeitig beobachte ich etwas sehr Spannendes. Gerade weil alternative Heilmethoden unter Druck geraten, beschäftigen sich plötzlich mehr Menschen damit. Das erinnert mich an einen Fluss. Trifft Wasser auf einen Felsen, bleibt es nicht stehen. Es sucht sich einen neuen Weg. Manchmal verzweigt es sich, manchmal wird es schneller, manchmal gräbt es sich tiefer in den Boden. Je größer das Hindernis, desto kreativer wird seine Bewegung.
Mit Bewusstsein verhält es sich aus meiner Sicht genauso.
Früher ließen sich neue Ideen über Angst leichter unterdrücken. Wissen verschwand, Menschen wurden ausgegrenzt oder schwiegen aus Furcht vor den Konsequenzen. Heute erleben wir eine völlig andere Zeit. Wissen verbreitet sich innerhalb weniger Sekunden über die ganze Welt. Menschen finden Gleichgesinnte, bilden Netzwerke, tauschen Erfahrungen aus und entwickeln neue Ideen. Was an einer Stelle begrenzt wird, taucht an anderer Stelle häufig mit neuer Kraft wieder auf.
Genau deshalb frage ich mich bei politischen Entscheidungen längst nicht mehr nur, ob sie richtig oder falsch sind. Ich frage mich vielmehr: Welche Entwicklung möchte dieses Ereignis gerade anstoßen?
Die Diskussion um die Homöopathie ist also nicht das eigentliche Thema. Sie ist lediglich der Trigger für etwas viel Größeres. Die Diskussion führt dazu, dass Menschen ihre Gesundheit nicht länger selbstverständlich an Institutionen delegieren, sondern beginnen, sich selbst wieder als aktive Gestalter ihres Lebens zu erleben. Es entstehen neue Netzwerke, neue Ausbildungsformen, neue Ideen und neue Wege, die wir heute zum Teil noch gar nicht kennen.
Die Schöpfung erinnert uns immer wieder daran, dass sie lösungsorientiert arbeitet. Sie antwortet auf Druck nicht mit Stillstand, sondern mit Bewegung.
Aus jeder Begrenzung entstehen neue Möglichkeiten. Aus jeder Herausforderung entwickeln sich neue Fähigkeiten. Genau darin zeigt sich für mich die Lebendigkeit des Lebens: Es sucht sich immer einen Weg.
Darin liegt die Einladung unserer Zeit. Nicht in der Entrüstung stehen zu bleiben, sondern den nächsten Schritt zu gehen – in die Ent-Rüstung.Nicht unsere Schutzmechanismen immer weiter zu verstärken, sondern sie bewusst zu erkennen und Stück für Stück abzulegen. Denn jeder Trigger enthält die Chance, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen und innerlich freier zu werden.
Nicht bei jeder politischen Entscheidung in der Entrüstung stehen zu bleiben, sondern den nächsten Schritt zu gehen – in die Ent-Rüstung und in die Eigenverantwortung.
Jeder Trigger lädt uns ein, eine weitere Schicht unserer alten Schutzmechanismen abzulegen. Nicht indem wir unsere Meinung aufgeben oder alles akzeptieren, sondern indem wir erkennen, welche alten Verletzungen gerade berührt werden und die dadurch frei werdende Energie bewusst nutzen. Erst dann verändert sich etwas Grundsätzliches.
Aus Empörung wird Bewegung. Aus Bewegung wird Eigenverantwortung.
Und aus einer politischen Entscheidung entsteht plötzlich ein Entwicklungsschritt – nicht nur für den Einzelnen, sondern für unsere gesamte Gesellschaft.
Entrüstung – im wahrsten Sinne des Wortes
Das Wort Entrüstung hat damit eine völlig neue Bedeutung.
Im Alltag verstehen wir darunter Empörung. Wir entrüsten uns über Politiker, Nachbarn, den Chef, den Partner oder die Welt. Wir regen uns auf und sind überzeugt, dass der andere das Problem ist.
Aber im Grunde ist unsere Sprache immer wieder sehr genial!
Jeder Trigger ist wie eine Rüstung. Sie ist im Laufe unseres Lebens entstanden, um uns vor weiteren Verletzungen zu schützen. Als Kinder war diese Rüstung sinnvoll. Sie half uns, schwierige Situationen zu überstehen, Ablehnung auszuhalten und emotional zu überleben.
Heute schützt sie uns jedoch nicht mehr. Heute verhindert sie häufig genau das, wonach wir uns eigentlich sehnen: innere Freiheit, Gelassenheit, Verbundenheit und Entwicklung.
Solange wir unsere Rüstung tragen, prallen neue Erfahrungen an ihr ab. Jede Kritik fühlt sich wie ein Angriff an. Jede andere Meinung wie eine Bedrohung. Jede Zurückweisung wie ein Beweis dafür, dass wir nicht genügen. Die Rüstung schützt uns vor dem Schmerz – und gleichzeitig vor der Möglichkeit, ihn endgültig zu lösen.
Deswegen braucht unsere Zeit die Ent-Rüstung und damit den Mut, die eigene Rüstung Stück für Stück abzulegen.
Jeder erkannte Trigger löst eine kleine Metallplatte. Jede angenommene Verletzung nimmt der Rüstung etwas von ihrem Gewicht. Mit jeder Erfahrung, die wir bewusst anschauen und verarbeiten, wird sie leichter. Irgendwann brauchen wir sie nicht mehr.
Dann kann uns Kritik informieren, ohne uns zu verletzen. Meinungsverschiedenheiten werden zu Gesprächen statt zu Kämpfen. Unterschiedliche Sichtweisen bereichern uns, weil sie keine alten Wunden mehr aufreißen.
Vielleicht beginnt persönlicher Frieden genau dort, wo wir aufhören, uns über andere zu entrüsten, und stattdessen beginnen, uns im wahrsten Sinne des Wortes zu ent-rüsten.
Denn jede abgelegte Rüstung macht uns freier.
Aus einem getriggerten Zustand heraus kämpfen wir gegen die berühmten Windmühlen. Aus einem ent-rüsteten Zustand heraus gestalten wir unser Leben.
In diesem Sinne wünsche ich euch von Herzen eine gute Zeit – mit weniger Entrüstung und mehr Ent-Rüstung, mit dem Mut, alte Schutzmechanismen loszulassen, und immer wieder einem Flug in die Höhe. Denn aus der Vogelperspektive erkennen wir, dass hinter jedem Trigger nicht das Ende eines Weges wartet, sondern der Beginn einer neuen Entwicklung.
Ich habe euch im Anhang wieder ein paar Übungen zusammengestellt.
Eure
Stefanie










