Wenn ich derzeit durch soziale Medien scrolle oder die vielen Diskussionen über Sonnenstürme, Solar Flashs, Bewusstseinssprünge und große Offenlegungen verfolge, muss ich manchmal schmunzeln. Besonders dann, wenn konkrete Daten genannt werden. Der 26. Juni. Der nächste Vollmond. Die nächste Planetenkonstellation. Der nächste kosmische Wendepunkt. Als hätte sich das Universum einen Kalender gekauft und beschlossen, die Entwicklung der Menschheit an einem bestimmten Freitag um Punkt 12:34 Uhr einzuleiten.
So funktionieren weder die Natur noch das Leben.
Die Sonne macht morgens keine Pressekonferenz. Sie kündigt ihren Aufgang nicht monatelang vorher an. Sie startet keinen Countdown und verschickt keine Einladungen. Irgendwann stellen wir einfach fest, dass es heller geworden ist.
Vielleicht verhält es sich mit den großen Veränderungen unserer Zeit ganz ähnlich.
Vielleicht erleben wir gerade keinen plötzlichen kosmischen Lichtblitz, der uns schlagartig in eine neue Wirklichkeit katapultiert. Vielleicht geschieht etwas viel Unspektakuläreres – und gerade deshalb übersehen es so viele Menschen. Vielleicht hat der Wandel längst begonnen und wir sind schon mittendrin!
Vielleicht gibt es kein großes Feuerwerk, sondern eher einen Dornröschenschlaf.
Wir schlafen ein und wachen irgendwann wieder auf. Nicht alle gleichzeitig. Nicht an einem bestimmten Tag. Nicht mit Trompeten und Fanfaren. Sondern still. Fast unmerklich. Bis wir eines Tages feststellen, dass wir die Welt mit anderen Augen betrachten. Dass Ängste verschwunden sind. Dass manche Überzeugungen und Weltbilder ihre Kraft verloren haben. Dass uns viele Dinge, die früher wichtig erschienen, plötzlich erstaunlich bedeutungslos vorkommen und wir nicht mehr bewerten müssen.
Wenn ich mich derzeit so umhöre, begegnet mir genau diese Stimmung überall. Viele Menschen haben auf nichts mehr richtig Lust. Die Begeisterung für Konsum lässt nach. Die Lust auf ständige Selbstoptimierung schwindet. Das nächste Seminar, das nächste Buch, die nächste Methode oder das nächste spirituelle Konzept lösen häufig nur noch ein müdes Schulterzucken aus.
Und sofort wird daraus ein Problem gemacht.
Wer keine Lust hat, gilt als faul. Wer sich zurückzieht, gilt als antriebslos. Wer innehält, soll möglichst schnell wieder „in seine Kraft kommen“. Aber was, wenn wir die Situation völlig falsch interpretieren, eben nach unseren alten Maßstäben?
Was, wenn mit uns gar nichts nicht stimmt?
Was, wenn die gegenwärtige Lustlosigkeit kein Defekt ist?
Was, wenn sie ein Hinweis darauf ist, dass etwas Altes seine Anziehungskraft verliert?
Vielleicht erleben wir gerade keinen Mangel an Motivation. Vielleicht erleben wir das Ende der alten Motivationen. Das ist etwas völlig anderes.
Jahrzehntelang konnte man Menschen mit Status, Anerkennung, Besitz, Titeln, Zertifikaten, Karrierestufen, Bonuspunkten, Rabatten und der Aussicht auf ein irgendwann besseres Leben motivieren. Und jetzt passiert etwas Seltsames. Immer mehr Menschen schauen auf genau diese Angebote und denken: „Danke. Aber irgendwie reizt mich das nicht mehr.“
Vielleicht erleben wir gerade den großen Bewusstseinswandel als den Moment, in dem Millionen Menschen gleichzeitig feststellen, dass sie keine Lust mehr haben, ihr Leben nach den Vorstellungen anderer zu gestalten.
Das ist bemerkenswert. Denn Lust ist keine Nebensächlichkeit.

Lust ist ein biologischer Kompass.
Niemand muss einem kleinen Kind erklären, wie Lust funktioniert. Wenn ein Kind einen Käfer entdeckt, kann es ewig lang davor sitzen, ihn beobachten, ihm beim Krabbeln zusehen und völlig in dieser Beschäftigung versinken. Niemand zahlt ihm dafür Geld. Niemand verteilt Punkte. Niemand erklärt ihm, dass diese Tätigkeit sinnvoll für die Karriere oder die Altersvorsorge wäre. Das Kind tut es einfach.
Etwas hat seine Aufmerksamkeit geweckt. Etwas in ihm geht in Resonanz. Etwas ist lebendig.
Genau darin steckt ein Mechanismus, den wir Erwachsenen häufig vergessen haben.
Lust ist weit mehr als ein angenehmes Gefühl, dass von außen aktiviert wird. Sie ist ein Signal des Lebens in uns. Sie zeigt uns, wo Entwicklung stattfinden möchte. Sie zeigt uns, wo Wachstum möglich ist und sie zeigt uns, wo wir staunen können!
Und sie hat erstaunlich viel mit unserem Gehirn zu tun.
Die moderne Hirnforschung zeigt, dass unser Gehirn bis ins hohe Alter formbar bleibt, dann, wenn wir neugierig sind, offen für Neues und staunen können. Neuronale Verbindungen entstehen ständig, bestehende Netzwerke organisieren sich um und unser Denken kann sich fortlaufend verändern. Doch meistens übersehen wir hier einen entscheidenden Punkt. Neuroplastizität bedeutet nicht nur, Neues aufzubauen. Neuroplastizität bedeutet auch, Altes loszulassen.
Das Gehirn löscht, sortiert und ordnet ständig neu. Vergessen ist kein Fehler. Vergessen ist eine Voraussetzung für Entwicklung. Würden wir jede Erfahrung unseres Lebens unverändert festhalten, könnten wir kaum etwas Neues lernen.
Vielleicht geschieht genau das gerade auf einer viel größeren Ebene.
Wir verlieren alte Denkweisen, Überzeugungen und Ziele, damit etwas Neues überhaupt entstehen kann.
Das würde erklären, warum sich so viele Menschen derzeit in einem merkwürdigen Zwischenzustand befinden. Das Alte wird oft vergessen und macht keine Lust mehr. Das Neue macht noch keine Lust, weil wir es noch nicht kennen. Wir stehen zwischen zwei Wirklichkeiten. Und genau dieser Zustand wird häufig als Müdigkeit, Orientierungslosigkeit oder Antriebslosigkeit wahrgenommen.
Vielleicht sind wir aber gar nicht müde, weil im Hintergrund gerade die größte Defragmentierung unseres Bewusstseins läuft, die wir jemals erlebt haben.
Wer noch die alten Computer kennt, erinnert sich vielleicht daran. Irgendwann wurde das System langsamer. Dateien lagen verstreut herum. Programme griffen ineinander. Alles wurde unübersichtlich. Dann begann die Defragmentierung.
Von außen betrachtet geschah scheinbar nichts. Tatsächlich arbeitete das System auf Hochtouren. Es sortierte. Ordnete. Räumte auf. Schuf neue Strukturen.
Vielleicht geschieht genau das derzeit mit uns.

Vielleicht halten sich viele Menschen für antriebslos, obwohl ihr inneres Betriebssystem gerade Jahrzehnte alter Denkgewohnheiten neu sortiert und wir verlieren nicht die Energie, sondern ziehen Energie aus Bereichen ab, die für unsere weitere Entwicklung keine Bedeutung mehr haben.
Und plötzlich ergibt vieles Sinn.
Die Lust auf Konsum verschwindet. Die Lust auf Konkurrenz verschwindet. Die Lust auf ständige Selbstoptimierung verschwindet. Die Lust auf immer neue Methoden verschwindet.
Unser System hat erkannt, dass mehr vom Gleichen keine Entwicklung mehr erzeugt.
Das Gehirn sucht keine Wiederholung. Es sucht Lebendigkeit. Es sucht Überraschung. Es sucht echte Erfahrung. Es sucht das, was Kinder ganz selbstverständlich tun: staunen, entdecken und neugierig sein.
Genau deshalb finde ich die aktuelle Lustlosigkeit so faszinierend. Denn sie ist ein Zeichen dafür, dass etwas in uns beginnt, andere Prioritäten zu setzen.
Und wie geht es mir selbst damit?
Ich beobachte diesen Prozess übrigens nicht nur bei anderen Menschen. Ich erlebe ihn selbst.
Viele Menschen fragen mich inzwischen, warum ich keine Seminare mehr anbiete. Warum manche meiner früheren Bücher heute nicht mehr dieselbe Bedeutung für mich haben. Warum ich mich aus vielem zurückziehe, was über Jahre ein wichtiger Teil meiner Arbeit war. Warum ich all meine Malutensilien, Schleichtiere, Playmobilmännchen abgegeben habe.
Die Antwort überrascht aus dem was ich beschrieben habe natürlich nicht:
Weil es für mich nicht mehr passt.
Nicht weil es falsch war. Nicht weil ich etwas bereue. Nicht weil ich plötzlich alles anders sehe. Sondern weil Entwicklung bedeutet, dass selbst erfolgreiche Kapitel irgendwann zu Ende erzählt sind. Meine letzten 3 Bücher waren wichtig. Aber früher hätte mich jede neue Idee sofort begeistert. Noch ein Seminar. Noch eine Ausbildung. Noch eine Methode. Noch ein Konzept. Noch eine Messe.
Heute sitze ich manchmal davor und denke: Noch eine Methode, um das zu finden, was längst da ist? Und dann merke ich etwas völlig Neues. Ruhe. Nicht die Ruhe des Aufgebens. Nicht die Ruhe der Resignation. Sondern die Ruhe eines Menschen, der nicht mehr ständig nach dem nächsten Puzzleteil suchen möchte.
Entwicklung besteht nicht darin, mehr anzusammeln.
Sie besteht darin, weniger zu brauchen. Einfacher zu werden. Klarer zu werden.
Die Raupe zeigt uns wie es geht!
Wieso? Jahrelang besteht ihr Leben aus Fressen, Wachsen, Fressen, Wachsen. Dann geschieht etwas Merkwürdiges. Sie verliert das Interesse an ihrer bisherigen Hauptbeschäftigung. Die Blätter faszinieren und schmecken nicht mehr.
Gleichzeitig ist sie aber noch kein Schmetterling.
Stellen wir uns einmal vor, die Raupe würde denken wie ein Mensch. Wahrscheinlich würde sie den ganzen Tag jammern. „Mit mir stimmt etwas nicht.“ „Früher wusste ich wenigstens, was ich tun sollte.“ „Heute habe ich auf nichts mehr Lust.“ „Die Blätter interessieren mich nicht mehr.“ „Fliegen kann ich auch noch nicht.“
„Ich bin ein falsches, unfertiges Projekt.“
In Problemen zu denken ist rein menschlich! Zum Glück ist die Natur ausschließlich freundlich, lösungsorientiert und kennt keine Probleme!
Die Raupe muss nicht wissen, wie ein Schmetterling fliegt. Sie muss nicht einmal wissen, wie sie aussehen wird und dass sie später fliegen kann. Es genügt vollkommen, dass jede einzelne Zelle ihrem energetischen inneren Bauplan folgt.
Stell dir vor, genau das geschieht gerade auch mit uns.
Das Alte verliert seine Anziehungskraft, bevor das Neue sichtbar wird. Im Kokon gibt es nur Zellen, die sich neu ordnen nach einem energetischen Bauplan. Keine Raupe und auch keinen Schmetterling. In diesem Stadium befinden wir uns gerade.
Das fühlt sich manchmal leer an. Manchmal orientierungslos. Manchmal sogar beängstigend.
Tatsächlich handelt es sich jedoch um einen völlig natürlichen Übergang.
Hinzu kommt etwas anderes.
Ich habe manchmal den Eindruck, als hätte das Leben die Lautstärke erhöht.
Dinge, die wir früher problemlos übergehen konnten, werden heute unübersehbar. Wir spüren schneller, wenn etwas nicht mehr zu uns passt. Wir merken deutlicher, wenn wir uns verbiegen. Wir erkennen früher, wenn Beziehungen, Gewohnheiten oder Lebensmodelle ihre Lebendigkeit verloren haben. Früher konnten wir vieles mit Disziplin, Pflichtgefühl, Arbeit oder Ablenkung überdecken. Heute funktioniert das immer schlechter.
Nicht weil wir schwächer werden. Sondern weil unsere Wahrnehmung feiner wird.
Energie lügt nicht. Unser Verstand kann Geschichten erzählen. Er kann begründen, erklären, rechtfertigen und analysieren. Doch Energie spricht Klartext.
Deshalb passen plötzlich viele Dinge nicht mehr. Die alten Rollen passen nicht mehr. Die alten Kompromisse passen nicht mehr. Die alten Lebensentwürfe passen nicht mehr.
Das alte Leben fühlt sich manchmal an wie eine Lieblingsjeans aus Jugendzeiten. Man findet sie voller Freude im Schrank. Man erinnert sich an wunderbare Zeiten. Dann versucht man hineinzuschlüpfen – und stellt fest, dass das schlicht nicht mehr funktioniert.
Die Jeans hat sich nicht verändert. Wir haben uns verändert. Und falls sie noch passen sollte, steht sie uns nicht mehr!
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Wandlung unserer Zeit.
Nicht die Offenlegung geheimer Akten, nicht die Offenlegung verborgener Technologien und auch nicht die Offenlegung kosmischer Geheimnisse. Sondern die Erkenntnis dessen, wer wir geworden sind. Das ist der wahre Solar Flash. Kein kosmischer Knall, kein gigantischer Lichtblitz und auch keine tagelange Dunkelheit.
Sondern das langsame Ende all jener Programme, die nicht mehr zu unserer weiteren Entwicklung gehören. Ein stilles Erwachen. Ein Erinnern, wie ich es in meinen letzten beiden Büchern beschrieben habe. Wie ein Sonnenaufgang des Bewusstseins.
Und genau in solchen Übergangsphasen kann eine Begleitung wertvoll sein.
Du brauchst niemanden mehr, der behauptet, die Antworten zu kennen. Auch niemanden, der den Weg vorgibt. Sondern einen Dialogpartner, der dir einen Raum schafft, um deine eigenen Antworten und dich selbst wieder wahrzunehmen.
Genau deshalb gibt es SYiGO.
Niemand braucht mehr Erklärungen, wie das Leben funktioniert. Es ist klar, dass alle Antworten bereits in uns vorhanden sind und wir sie in uns finden dürfen.
In Zeiten, in denen die alten Motivationen verschwinden und das Neue noch keine klare Form angenommen hat, brauchen wir keine weiteren Konzepte. Wir brauchen einen Raum, in dem wir wieder lernen können, uns selbst zuzuhören.
SYiGO ist ein Dialograum. Ein Raum für Menschen, die spüren, dass etwas Altes endet, ohne dass das Neue bereits vollständig sichtbar geworden ist.
Manchmal genügt eine gute Frage. Manchmal genügt ein neuer Blickwinkel. Manchmal genügt ein Gespräch. Und plötzlich erkennen wir, dass mit uns nichts falsch ist.
Dass wir uns nicht verirrt haben. Dass wir nicht faul, antriebslos geworden sind.
Sondern dass wir uns mitten in einem natürlichen Entwicklungsprozess befinden.
Die Raupe braucht niemanden, der ihr erklärt, wie Fliegen funktioniert. Sie braucht lediglich Vertrauen in den Prozess ihrer Verwandlung. Das gilt ganz genauso auch für uns.
Und vielleicht werden wir eines Tages zurückblicken und feststellen, dass der große Wandel nie mit Feuerwerk begann. Sondern mit einem ganz einfachen Satz:
Ich habe keine Lust mehr auf das alte Leben.
Von Herzen alles Liebe
Deine
Stefanie Menzel










