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Die Wahrheit könnte Liebe kosten

Die erste Lüge ist die Angst, nicht geliebt zu werden

Ich dachte so ein kleines Märchen von Neo dem Neandertaler, gibt einen guten Einstieg in das unendlich komplexe Thema der Lüge. Danach geht’s zur Sache 😉 und ich wünsche euch viel Vergnügen und vielleicht neue Erkenntnisse.

Als die Menschheit begann, die Lüge zu erfinden!

Es war die Zeit, bevor die Menschen Häuser bauten und bevor sie Namen für Länder hatten. Die Wälder waren groß, die Nächte dunkel und der Himmel voller Sterne, die den Menschen noch Geschichten zuflüsterten. In einer kleinen Gemeinschaft aus Felsen, Feuer und Fell lebte ein Junge namens Neo.

Neo war drei Sommer alt. Er hatte wilde Haare, nackte Füße und Augen, die noch voller Himmel waren. Er lief zwischen den Erwachsenen hindurch wie ein kleiner Windhauch, sprach mit Käfern, legte seine Hände auf Steine und glaubte, dass alles lebendig sei. Für ihn war die Welt kein „Ich“ und „die anderen“. Alles gehörte zusammen.

Wenn seine Mutter Beeren sammelte, summte Neo dieselben Töne wie sie. Wenn die alten Frauen am Feuer lachten, lachte sein Bauch mit. Wenn sein Vater traurig war, setzte Neo sich einfach neben ihn und legte den Kopf an seinen Arm, ohne zu fragen warum.

Die Menschen im Stamm sagten oft: „Neo hört noch das große Feld.“

Denn damals glaubten die Alten noch daran, dass kleine Kinder mit dem Unsichtbaren verbunden waren. Mit dem großen Netz aus Leben, das durch Tiere, Menschen, Bäume und Sterne floss. Und Neo fühlte dieses Netz.

Nachts schlief er unter Fellen und hatte keine Angst. Er wusste nicht einmal, was Angst wirklich war. Er wusste nur: Ich bin getragen.

Doch eines Tages änderte sich etwas. Es begann ganz klein.

Neo wollte einen schönen, runden Stein haben, den ein älterer Junge gefunden hatte. Er streckte die Hand danach aus. Doch der Junge zog den Stein weg und sagte: „Nein. Das ist meiner.“

Meiner.

Das Wort traf Neo wie ein kalter Wind.

Zum ersten Mal spürte er etwas Neues. Etwas Hartes. Etwas Trennendes.

Er sah den anderen Jungen an und verstand plötzlich: Der andere war nicht mehr er. Die Welt gehörte nicht mehr allen gemeinsam, sondern war plötzlich aufgeteilt in „mein“ und „dein“. In Menschen, die besitzen, und Menschen, die nicht besitzen. In Verbundenheit und Trennung. In dazugehören und draußen stehen. Und irgendwo tief in seinem kleinen Herzen entstand zum ersten Mal dieses leise schmerzhafte Gefühl, dass man vielleicht kämpfen muss, um etwas zu bekommen — oder jemand sein muss, um dazuzugehören. In den Tagen danach war dieses Gefühl immer öfter da.

Die Erwachsenen lobten manche Kinder mehr als andere. Ein Mädchen durfte näher am Feuer sitzen, weil sie ruhiger war. Ein Junge bekam Fleisch zuerst, weil er stärker wirkte. Neo begann zu beobachten.

Wenn er laut war, runzelte seine Mutter die Stirn. Wenn er artig war, lächelte sie. Wenn er weinte, wandte sich sein Vater manchmal ab. Wenn er tapfer war, legte ihm jemand stolz die Hand auf den Kopf. Da entstand in Neo ein Gedanke, den vorher noch nie ein Gedanke gewesen war: Vielleicht muss ich anders sein, damit sie mich lieben.
Vielleicht gehört nicht mehr einfach jeder dazu.
Vielleicht gibt es nicht genug Liebe, nicht genug Aufmerksamkeit, nicht genug Platz für mich, so wie ich wirklich bin.

Es war kein klarer Satz. Eher ein Nebel in seinem kleinen Herzen, ein Schmerz. Ein erstes Gefühl von Mangel. Von diesem Tag an begann Neo sich zu verändern. Auf einmal spürte er Angst und wenn er Angst hatte, sagte er: „Ich habe keine Angst.“ Wenn er traurig war, grinste er. Wenn er wütend war, trat er heimlich gegen Steine statt zu weinen. Und wenn die Erwachsenen fragten: „Hast du die Beeren gegessen?“, obwohl sein Mund noch rot war, schüttelte er den Kopf.

Nicht weil Neo böse war.

Sondern weil etwas in ihm glaubte: Die Wahrheit könnte Liebe kosten.

Und vielleicht entstand genau dort zum ersten Mal dieses menschliche Gefühl, dass nicht genug da sei. Nicht genug Liebe. Nicht genug Anerkennung. Nicht genug Zugehörigkeit.

So entstanden die ersten kleinen Lügen.

Ganz still. Nicht aus Bosheit. Nicht aus Dunkelheit. Sondern aus der Angst, die Verbindung zu verlieren.

Die Alten im Stamm bemerkten die Veränderung.

Eine uralte Frau mit weißen Haaren setzte sich eines Abends zu Neo ans Feuer. Lange sagte sie nichts. Sie schaute nur in die Flammen.

Dann fragte sie leise: „Weißt du noch, wie der Wind spricht?“

Neo nickte.

„Weißt du noch, wie die Tiere fühlen?“

Wieder nickte er.

Die alte Frau lächelte traurig.

„Dann vergiss nicht: Du musst nichts werden, damit du dazugehörst.“

Neo verstand ihre Worte noch nicht ganz. Aber etwas in ihm erinnerte sich.

Für einen kurzen Moment wurde es still in ihm. Ganz still.

Und tief unter all den neuen Gedanken spürte er es wieder: Dieses alte Gefühl von Verbundenheit. Als wäre er nie getrennt gewesen.

Vielleicht beginnt echte Liebe deshalb erst dort, wo die kleinen Lügen aufhören.

Dort, wo jemand plötzlich nicht mehr schön sein muss. Nicht perfekt. Nicht angepasst.

Sondern einfach echt, weil er bei sich selbst angekommen ist.

Eine Welt voller Lügen

Ist euch eigentlich mal aufgefallen, wie viel im Alltag gelogen wird?

Wenn wir von Lügen sprechen, denken die meisten Menschen zuerst an die offensichtlichen Formen. An Betrug, Manipulation, Werbung, die mehr verspricht als sie halten kann, an Fremdgehen, an Menschen, die bewusst etwas verschweigen oder anderen absichtlich die Unwahrheit sagen. Diese aktiven Lügen sind leicht zu erkennen, weil sie sichtbar sind. Jemand weiß, dass er nicht die Wahrheit sagt, und entscheidet sich bewusst dafür. Oft geschieht das aus dem Wunsch heraus, einen Vorteil zu erlangen, unangenehme Konsequenzen zu vermeiden oder etwas zu bekommen, was man auf ehrliche Weise vielleicht nicht erhalten würde.

Doch diese sichtbaren Lügen sind nur die Spitze eines sehr großen Eisbergs. Viel häufiger begegnen uns die unbewussten Lügen. Und genau sie prägen als Teil unserer Weltbilder unser Leben viel stärker als die offensichtlichen Täuschungen, Fake News und die Werbewelt.

 

 

Bist du ein Lügner oder ein Lüger? Oder beides?

Eine unbewusste Lüge entsteht nicht, weil jemand böse Absichten hat. Sie entsteht aus Angst, Unsicherheit, Anpassung oder dem tiefen Bedürfnis, geliebt und akzeptiert zu werden. Menschen erzählen sich selbst Geschichten, die sie irgendwann für die Wahrheit halten. Sie bleiben in Beziehungen, die längst beendet sind, und nennen es Liebe. Sie bleiben in Berufen, die sie krank machen, und nennen es Sicherheit. Sie schweigen, obwohl sie anderer Meinung sind, und nennen es Harmonie. Sie unterdrücken ihre Wut und nennen es Geduld. Sie ignorieren ihre Sehnsüchte und nennen es Vernunft. Alles akzeptierte Lügen!

Manche Menschen greifen zu Alkohol, Essen, Arbeit, Social Media oder anderen Süchten und erzählen sich, sie hätten alles im Griff. Andere reden sich ein, dass sie glücklich seien, obwohl ihr Körper längst andere Signale sendet. Wieder andere übernehmen Meinungen von Eltern, Lehrern, Experten oder Medien und halten sie für ihre eigenen Überzeugungen, ohne jemals zu hinterfragen, ob sie wirklich zu ihnen gehören. Alles gelogen, der einzige Experte für dich bist du selbst!

Diese bunten Formen der Lügenwelt sind so mächtig, weil sie selten erkannt werden. Während der aktive Betrüger weiß, dass er lügt, glaubt der Mensch im Alltag mit den kleinen und großen Lebenslügen selbst an seine Geschichte und lebt in ihnen. Er hat sie so oft wiederholt, dass sie Teil seiner Identität, seines Egos geworden ist. Wenn man einen solchen Lüger (finde ich schöner als das Wort Lügner!) auf seine Lüge anspricht, verliert er den Boden unter den Füßen, denn die Lüge hat sein Weltbild betoniert und stabil gehalten! Er identifiziert sich sozusagen mit seiner verdrehten Welt.

Deshalb ist die schwierigste Form der Wahrheitssuche nicht das Entlarven der offensichtlichen Lügner. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, die Stellen in uns selbst zu erkennen, an denen wir uns angepasst, verbogen oder klein gemacht haben und zum Lüger geworden sind. Denn diese Lügen entstehen nicht aus Bosheit, sondern aus einem tiefen Gefühl von Schmerz, Verleugnung und Mangel. Aus der Angst, nicht zu genügen, nicht geliebt zu werden oder allein dazustehen. Genau dort beginnt die Reise zurück zur Wahrheit – nicht als moralische Pflicht, sondern als ehrliche Begegnung mit uns selbst.

Warum geht es nur mit Lügen?

Wie kommt es eigentlich, dass wir so viel lügen? Und vor allem: Warum ist uns der Alltag mit Lügen gar nicht bewusst?

Gehen wir mal ganz an den Anfang unseres Lebens zurück.

Wir kommen als kleines Kind auf die Welt – offen, verbunden, vollkommen.
Wir fühlen uns eins mit allem. Mit der Mutter. Mit der Familie. Mit dem Leben.

Und irgendwann – ihr kennt das aus meiner energetischen Betrachtung – kommt dieser Moment, meist ungefähr um das dritte Lebensjahr herum, in dem wir spüren:

„Ich werde nicht einfach nur geliebt, weil ich bin.“ Plötzlich merken wir: Jetzt müssen wir uns anstrengen. Jetzt müssen wir uns richtig verhalten, um Zuwendung zu bekommen.

Vorher waren wir einfach das süße Baby, das angelächelt, getragen und versorgt wurde. Doch dann beginnt die Anpassung. Und damit beginnt etwas sehr Entscheidendes:

Wir lernen, Bedingungen zu erfüllen, um uns geliebt zu fühlen. Wir verbiegen und verkaufen uns, um gesehen und dafür mit angeblicher und sogenannter Liebe belohnt zu werden. Sei brav. Sei lieb. Schrei nicht so viel. Trotze nicht. Sitz ordentlich am Tisch. Sei nett zu anderen….!

Stellt euch einmal vor, ein Kind dürfte einfach sein. Mit allen Gefühlen. Mit Wut. Mit Freude. Mit Laut sein. Mit Toben. Mit Müdigkeit. Mit Lebendigkeit. Dann würde ein völlig anderer Mensch heranwachsen, der sich selbst kennt, liebt und selbstverständlich angenommen fühlt in seiner Ganzheit. Doch die meisten von uns haben gelernt:

So wie ich wirklich bin, fehlt mir irgendwas, ich bin nicht liebens-würdig! So wie ich wirklich bin, bin ich nicht richtig. So wie ich wirklich bin, kann mich niemand liebhaben!

Also beginnen wir, uns zu verstecken, unsere Gefühle und unser Sein wegzupacken hinter gesellschaftsfähigen Masken und kennen uns irgendwann selbst nicht mehr.

Wir sind wütend – zeigen es aber nicht. Wir sind traurig – aber hören: „Jetzt sei doch nicht traurig, ist doch nicht schlimm.“ Wir fühlen Angst – aber tun stark und lügen, dass sich die Balken biegen!

…. und vor allem: Warum ist uns der Alltag mit seinen vielen Lügen oft gar nicht bewusst?

Weil wir sie nicht absichtlich erschaffen. Die meisten Menschen stehen morgens nicht auf und beschließen, sich selbst oder andere zu belügen. Vielmehr sind diese Muster über viele Jahre so tief in uns verankert worden, dass sie ganz selbstverständlich geworden sind. Sie laufen automatisch ab.

Aus Sicht des Bewusstseins ist das eine Form der Abspaltung. Würden wir jeden einzelnen Schmerz, jede Zurückweisung, jede Enttäuschung, jede Angst und jedes Gefühl von Mangel gleichzeitig und in voller Intensität wahrnehmen, wären wir als Kinder völlig überfordert gewesen. Also beginnt das emotionale System, Bereiche auszublenden. Es trennt uns von unserem Schmerz, Gefühlen, Erinnerungen und inneren Konflikten, damit wir überhaupt handlungsfähig bleiben.

Die kleine Lüge entsteht oft genau an dieser Stelle als Schutzmechanismus. „Mir geht es gut.“ „Das macht mir nichts aus.“ „Ich bin nicht traurig.“ „Ich habe keine Angst.“ Irgendwann werden diese Sätze zu unserer Wirklichkeit. Nicht weil sie wahr sind, sondern weil wir den Kontakt zu dem verloren haben, was darunter liegt.

Deshalb bemerken wir viele unserer Lügen gar nicht mehr und sie fühlen sich nicht wie Lügen an. Sie fühlen sich wie unsere Persönlichkeit, unser Ego an. Wie unsere Meinung. Wie unser Charakter. Wie die Welt.

Erst wenn wir beginnen, wieder bewusster hinzuschauen, entdecken wir, wie viele innere Konstruktionen wir aufgebaut haben, um nicht fühlen zu müssen, was einst zu groß, zu schmerzhaft oder zu bedrohlich erschien.

Vielleicht würden wir tatsächlich verrückt werden, wenn plötzlich alles gleichzeitig auftauchen würde. Deshalb geschieht Bewusstwerdung meist Schritt für Schritt. Genau in dem Tempo, das wir tragen können. Nicht um uns zu verurteilen, sondern um uns Stück für Stück wieder ganz zu machen.

Die Lügen sind nicht an die anderen gerichtet, sie gelten zunächst uns selbst!

Wir lügen nicht gegenüber anderen, sie merken es sogar nicht! Sondern die Lüge gilt uns selbst. Wir fühlen, dass wir nicht richtig sind, dass wir nichts wert sind, dass wir hier nicht hingehören. Und es gibt sehr viele „Wenn – danns“ in unserem Leben. Heftig ist, dass die Erwachsenen ihre eigenen Gefühle an unser Verhalten gekoppelt haben und uns erpressen. Wenn Mutter gesagt und uns hat fühlen lassen: „Wenn du brav bist, dann geht es Mama gut!“ Oder: “Kinder seid still wenn der Papa kommt, dann muss er nicht schimpfen!“ Oder sehr bekannt und beliebt: „Solang du deine Füße unter meinen Tisch stellst, …..!“ Oder: „Wenn du doch nur so intelligent/ geschickt/ hübsch/ ruhig/, sportlich/ pflegeleicht wärst, wie das Kind meiner Freundin (seufz), ….!“

Von diesen belasteten Beispielen kennen wir alle vermutlich unendlich viele, weil sie ein großer Teil der alten Erziehung zu einem braven Bürger waren. Und es wird klar, dass wir uns für die Gefühle der anderen verantwortlich gemacht haben und wir nicht lernen konnten, dass wir vollkommen in Ordnung und perfekt sind, so wie wir sind. Selbst wenn du die Keksdose leer gegessen hattest und die Krümel noch an deinem Mund klebten, hast du behauptet, dass die Dose schon leer war oder dein großer Bruder alles aufgegessen hatte. Gefühle wegpacken und lügen war in diesem Erziehungsstil ein „Erfolgsmodell“.

So lernten wir sehr früh, dass unsere echten Gefühle, und wir, so wie wir sind, nicht erwünscht sind. Weder in der Familie noch später in Kindergarten, Schule oder Gesellschaft.

Und genau darauf war unsere gesamte Kultur, unsere alte Matrix aufgebaut: Anpassung.

Nicht nach unseren Gefühlen leben, die ja grundsätzlich unsere Lebenswegweiser sind. Kein Selbstbewusst-sein entwickeln sondern eher Verantwortung für die Gefühle anderer übernehmen. Nicht Echtheit und dafür geliebt sein, sondern anpassen und mitlaufen, funktionieren. Wir haben uns selbst geopfert, um dazuzugehören, um ein braves Schaf der Herde zu werden. Wir fühlen irgendwann nix mehr und wenn wir etwas fühlen, unterdrücken wir es. Wir lügen uns selbst und, dann in Folge, auch alle anderen an!

All das nennt sich Leben und wir merken nicht mal mehr, wer wir wirklich sind. Wir leben in unserer einzigartigen Bubble von eigener Realität, gespickt mit Selbstlügen, in der wir immer wieder unser Krönchen gerade setzen und weiter machen.

Hier ein paar Beispiele:

Unsere Schönheitsindustrie!

Wir sind niemals richtig, wir sind zu häßlich, zu dick, zu klein, zu groß, zu blond, haben zu seltsame Zähne, komische Augen, eine schiefe Nase, zu wenig Muskeln, …….! Wenn ich mich selbst verloren habe, gibt es eine ganze Industrie, die mir vorgaukelt, dass ich alles noch korrigieren kann. Ich kann mich unter das Messer legen und Spritzen lassen, damit ich hinterher so aussehe, wie die anderen es schön finden.

Was ist falsch daran, morgens vor dem Spiegel zu stehen und zu sagen: Ja, das bin ich, genau richtig! Einfach weil jede Zelle meine Einzigartigkeit und mein spannendes Leben zeigt.

Unser Zertifikatswahn!

Ich bin immer zu dumm. Ich brauche gute Noten, eine gute Ausbildung und muss mich qualifizieren. Ob ich mich als Mensch wohlfühle, malen, tanzen, singen kann, über emotionale Intelligenz verfüge, liebevoll und emphatisch bin, achtsam, respektvoll mit dem Leben umgehe interessiert niemanden. Aber wie viele Zertifikate und Ausbildungen ich habe, wird bewertet. Ich muss lügen, weil ich nur für die Prüfung lerne und ich immer noch das Gefühl habe, nicht richtig zu sein. Da fehlt mir noch ein Kurs, noch eine Qualifikation, noch ein Abzeichen. Dabei werte ich mich selbst ständig ab, weil ich nur der Bewertung anderer Menschen und abstrakten Bewertungsmustern traue. Das tut mir weh, aber ich nehme es in Kauf! Alles ist gelogen!

Unser Diätenwahn!
Essen war einmal etwas Natürliches. Genuss. Gemeinschaft. Leben. Heute ist Essen für viele Menschen zu einem ständigen Kampf geworden. Zu viele Kalorien, zu viel Zucker, zu viele Kohlenhydrate, zu wenig Disziplin. Permanent kontrollieren wir uns selbst und fühlen uns schuldig, sobald wir „falsch“ essen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Gesundheit. Es geht um Anpassung. Um ein Schönheitsideal. Um die Angst, nicht attraktiv genug, nicht begehrenswert genug, nicht wertvoll genug zu sein. Der Körper wird zum Feind erklärt, den man beherrschen muss. Der Hunger wird unterdrückt, die Lust am Essen bewertet, der Blick in den Spiegel und die externen Experten entscheiden über gute oder schlechte Tage. Dabei wird dem Körper ständig vermittelt, dass er zu dumm ist und „nicht weiß“ was richtig ist. Dabei ist der Körper hochintelligent und hat Mühe gegen unser Ego anzukommen, das meint besser zu wissen, wie es den Körper in eine Form bringt, die es und die Gesellschaft da draußen für richtig hält.

Und natürlich gibt es sofort die passende Industrie dazu. Pulver, Programme, Shakes, Wunderpillen, Abnehmspritzen, Ernährungspläne, Apps und Fitnessgurus, die uns erklären, wie wir endlich „richtig“ werden können. Milliarden werden damit verdient, dass Menschen sich nicht mehr fühlen, ihre Bedürfnisse nicht kennen und glauben, mit ihrem natürlichen Körper stimme etwas nicht. Das Verrückte daran ist: Selbst wenn jemand abnimmt, verschwindet der innere Mangel nicht. Denn das eigentliche Problem war nie nur das Gewicht. Sondern das Gefühl, sich selbst nicht lieben zu dürfen, solange man nicht einer bestimmten Norm entspricht. Alles Lüge!

Ein gutes Beispiel für den Verlust unseres Vertrauens in unseren Körper: unsere Smartwatches und Gesundheits-Apps. Viele Menschen vertrauen inzwischen lieber einer Zahl auf dem Display als ihrem eigenen Körpergefühl. Die Uhr sagt, dass der Puls zu hoch ist – und sofort entsteht Unruhe. Die App meldet schlechten Schlaf – und plötzlich fühlt man sich müde. Die Uhr zeigt Stress an – und schon beginnt man, nach Stress zu suchen. Dabei hatten wir ursprünglich etwas ganz anderes: die Fähigkeit, unseren Körper direkt wahrzunehmen. Zu spüren, wann wir Ruhe brauchen, wann wir kraftvoll sind, wann uns etwas guttut oder wann etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Natürlich können technische Hilfsmittel hilfreich sein. Problematisch wird es erst, wenn wir ihnen mehr vertrauen als uns selbst. Dann geben wir die Verantwortung für unsere Wahrnehmung nach außen ab. Wir hören auf Daten, Diagramme und Auswertungen, während die leise Stimme unseres individuellen Körpers immer mehr in den Hintergrund rückt. Vielleicht ist das eine der größten unbewussten Lügen unserer Zeit: die Vorstellung, dass eine Maschine besser weiß, wie es uns geht, als wir selbst. Doch kein Sensor kann Freude messen, keine App kann Frieden erfassen und keine Uhr kann wirklich fühlen, was in uns vorgeht.

Was wäre, wenn wir wieder lernen würden, unserem Körper zuzuhören, statt ihn ständig zu kontrollieren? Was wäre, wenn Essen nicht mehr Schuld bedeutet, sondern Verbindung?
Und was wäre, wenn unser Körper nicht unser Gegner ist, sondern einfach nur ein lebendiger geliebter und geschätzter Ausdruck unseres Weges durchs Leben?

Unser Konsumwahn!
Ein weiteres spannendes Beispiel ist unser Kaufverhalten. Wie oft glauben wir, dass uns genau diese eine Sache noch fehlt? Das neue Auto, das schönere Sofa, die Markentasche, das größere Haus, das modernste Handy oder die nächste Reise. Für einen Moment fühlt es sich tatsächlich so an, als würde sich eine Lücke schließen. Wir freuen uns, sind begeistert und spüren einen kleinen Energieschub. Doch erstaunlicherweise hält dieses Gefühl oft nicht lange an. Warum? Wir haben in Wahrheit nicht  das Objekt gesucht. Wir wollten das Gefühl dahinter. Anerkennung. Sicherheit. Freiheit. Wertschätzung. Zugehörigkeit. Liebe. Das Problem ist nur: Kein Gegenstand kann dauerhaft etwas füllen, das gar kein materielles Problem ist.

Deshalb verliert der neue Besitz so schnell seinen Glanz. Das Auto steht irgendwann einfach in der Garage. Die neue Küche wird selbstverständlich. Die Markentasche hängt wie jede andere Tasche an der Garderobe. Das Smartphone von gestern ist plötzlich veraltet. Nicht weil die Dinge schlecht wären. Sondern weil wir versucht haben, mit ihnen etwas zu lösen, das sie gar nicht lösen können. Die eigentliche Lüge besteht nicht im Kaufen selbst. Die Lüge lautet: „Wenn ich das habe, bin ich endlich glücklich.“ Oder: „Wenn ich das besitze, bin ich wertvoller.“ Oder: „Wenn ich das bekomme, verschwindet dieses Gefühl in mir.“

Doch das Gefühl verschwindet nicht. Es wartet geduldig darunter und meldet sich nach kurzer Zeit wieder. Deshalb beginnt die Suche von vorn. Das nächste Produkt. Die nächste Anschaffung. Die nächste Belohnung. So entsteht ein Kreislauf, der ganze Wirtschaftssysteme antreibt. Nicht weil Menschen schlechte Entscheidungen treffen, sondern weil sie unbewusst versuchen, einen inneren Mangel im Außen zu lösen. Der Moment, in dem wir das erkennen, verändert vieles. Dann dürfen wir Dinge genießen, ohne von ihnen Erlösung zu erwarten. Wir können kaufen, besitzen und uns freuen – aber wir hören auf zu glauben, dass unser Glück im nächsten Karton vor der Haustür auf uns wartet. Alles gelogen!

Unser Markenwahn!

Natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, sich mit Dingen wohlzufühlen. Problematisch wird es erst dort, wo eine Marke plötzlich mehr sein soll als ein Produkt. Wenn aus einer Handtasche eine Identität wird.

Dann beginnt die eigentliche Geschichte.

Plötzlich glauben wir, wertvoller zu sein, weil ein bestimmter Name auf unserem Pullover steht. Wir fühlen uns erfolgreicher, schöner, wichtiger oder angesehener, weil andere Menschen erkennen sollen, was wir uns leisten können. Und genau an dieser Stelle betreten wir die Welt der Lügen. Denn kein Logo der Welt verändert unseren Wert als Mensch. Kein Auto macht uns liebevoller. Keine Uhr macht uns klüger. Keine Designerjacke macht uns glücklicher. Und doch geben Menschen teilweise Unsummen aus, um genau dieses Gefühl zu kaufen.

Warum? All das um endlich keinen Mangel zu spüren und geliebt zu werden.

Doch genau darin liegt die Lüge.

Denn wenn mein Selbstwert von einem Etikett abhängt, dann war er nie wirklich meiner. Dann bin ich nicht frei. Dann bin ich abhängig von Dingen, die außerhalb von mir liegen. Die Industrie kennt diesen Mechanismus sehr genau. Deshalb verkauft sie selten Produkte. Sie verkauft Status. Zugehörigkeit. Anerkennung. Exklusivität. Das Gefühl, besser zu sein als andere. Sie verspricht teuer das bodenlose Loch meines Mangels zu füllen. Aber es ist so, als ob ich versuche Wasser in einem Sieb aufzufangen. Und das Leben wird zu einer endlosen Lüge, zu einem einzigen nachgießen! Erst wenn wir erkennen, dass unser Wert niemals von Besitz, Marken oder Status abhängig war, verliert dieses Spiel seine Macht.

Denn ein Mensch wird nicht wertvoll, weil er etwas besitzt.

Sondern jeder von uns ist genau so richtig wie er ist, von Geburt an und für immer, jeden Augenblick im Leben!

Unser Beziehungswahn!

Wenn wir uns schon selbst nicht lieben, wollen wir gerne jemanden für unser Mangel- und Missgefühl in unserem Herzen verantwortlich machen. Dann suchen wir im anderen Menschen nicht Liebe, sondern Erlösung aus unserem Schmerz. Endlich jemand, der uns bestätigt, sieht, heilt, rettet und vollständig macht. Und genau dadurch entsteht Druck. Kontrolle. Angst. Erwartungen und eine der größten Lebenslügen. Denn wenn der andere dafür verantwortlich wird, dass ich mich ganz fühle, entsteht Abhängigkeit. Und der andere kann das Loch niemals füllen! Dabei war Liebe ursprünglich nie gedacht als Versorgungssystem für unseren inneren Mangel. Aber wir haben genau das bereits als kleines Kind gelernt. Wenn der andere mich liebt, kann ich mich auch lieben! So eine Lüge!

Unser Perfektionswahn!
Wir dürfen keine Fehler machen. Keine Schwäche zeigen. Keine Unsicherheit haben. Alles muss funktionieren. Glatt sein. Erfolgreich wirken. Selbst unsere sozialen Medien sind voll von perfekten Fassaden, hinter denen sich oft völlig erschöpfte Menschen verstecken. Menschen, die längst vergessen haben, wie entspannend es wäre, einfach echt zu sein. Perfektion ist eine tote Maske, Lebendigkeit macht Fehler und lernt daraus! Perfektion ist eine Lüge!

Unser spiritueller Wahn!
Selbst die Spiritualität, ganz gleich in welcher Richtung wir sie anstreben, ist eine Lüge und war schon immer dazu da, den Mangel zu verstärken und zu bedienen. Lügen beichten, ein besserer Mensch sein wollen, weil man falsch ist, Buße tun, Spenden, Ablass zahlen, ein Helfersyndrom entwickeln, um mein gutes Herz zu beweisen, Höher schwingen. Mehr manifestieren. Noch bewusster werden. Noch mehr heilen. Noch mehr transformieren. Wieder entsteht das Gefühl: So wie ich jetzt bin, reicht es noch nicht. Dabei beginnt echte Entwicklung vielleicht genau dort, wo ich aufhöre, ständig jemand anderes werden zu wollen. Ich lüge mich selbst an, verleugne mich und meine Energie und mache mir Druck! Warum können wir nicht einfach sein, voll in Ordnung sowie wir sind und das Leben genießen, ohne Wenn und Aber?

Unsere Geld Lüge!

Erbschaften, Korruption und Käuflichkeit fühlen sich so an, als hätten wir selbst da nichts mit zu tun.  Als gäbe es hier den korrupten Politiker, dort den gierigen Unternehmer und irgendwo den Erbschleicher in einer Familie. Doch wenn wir genauer hinschauen, entdecken wir etwas viel Grundsätzlicheres.

Die eigentliche Frage lautet nicht: Wer ist korrupt?

Die eigentliche Frage lautet: Was bringt Menschen überhaupt dazu, sich zu verkaufen?

Und plötzlich wird das Thema sehr persönlich.

Denn die meisten Menschen verkaufen sich nicht erst für Geld. Sie haben längst viel früher damit begonnen. Sie haben schon als Kind ihre Gefühle verkauft, im Austausch für wahrgenommen zu werden, Sie verkaufen ihre Meinung, um dazuzugehören. Sie verkaufen ihre Wahrheit, um keinen Streit zu bekommen. Sie verkaufen ihre Träume für Sicherheit. Sie verkaufen ihre Freiheit für Anerkennung. Sie verkaufen ihre Zeit für Status. Sie verkaufen ihre eigenen Bedürfnisse, um geliebt zu werden.

Ich gebe etwas von mir weg – und bekomme dafür Zugehörigkeit.

Ich verrate ein Stück meiner Wahrheit – und bekomme dafür Anerkennung.

Ich passe mich an – und bekomme dafür Sicherheit.

Genau deshalb ist Korruption viel größer als ein Geldschein unter dem Tisch. Korruption beginnt immer dort, wo wir etwas gegen etwas anderes eintauschen und dabei uns selbst verlieren. Geld macht diesen Mechanismus lediglich sichtbar und offen-sichtlich.

Auch Erbschaften zeigen oft sehr deutlich, was darunterliegt. Familien streiten nie nur über Häuser, Schmuck oder Konten. Dahinter stehen alte Sehnsüchte nach Liebe, Gesehenwerden, Anerkennung und Zugehörigkeit. Das Geld wird zum Symbol für etwas, das eigentlich nie Geld war. Das Spannende dabei ist: Selbst eine „gerechte“ oder große Erbschaft löst das Thema nicht. Denn der eigentliche Wunsch lautet nicht: „Gib mir mehr Geld“, sondern: „Zeig mir, dass ich geliebt werde.“ Und genau das kann kein Testament nachträglich leisten. Es kann den Schmerz berühren – aber nicht auflösen.

Und so entsteht die große Illusion, dass wir irgendwann genug besitzen, genug verdienen oder genug bekommen müssten, um endlich erfüllt zu sein. Doch diese Rechnung geht nie auf. Denn der Mangel, den wir zu füllen versuchen, hat nichts mit Geld zu tun. Und ist damit der Motor für Lügen!

Jeder Mensch ist käuflich – solange er noch glaubt, dass etwas außerhalb von ihm wertvoller ist als das, was er bereits in sich trägt. Für den einen ist es Geld. Für den anderen Macht. Für den nächsten Aufmerksamkeit, Anerkennung oder die an Bedingungen geknüpfte Form von Liebe.

Erst wenn wir beginnen, bei uns selbst anzukommen, verliert dieser Handel seine Bedeutung. Dann müssen wir uns nicht mehr verkaufen. Nicht für Geld. Nicht für Zustimmung. Nicht für Zugehörigkeit.

Wir müssen nichts mehr eintauschen, um vollständig zu sein. Wir sind es von Geburt an und dürfen zur Ruhe kommen, ohne uns und andere anzulügen!

 

 

Die Religion hat sich das menschliche Mangelgefühl zu nutzen gemacht und sagt: du sollst nicht lügen und treibt erfolgreich ihre Schäfchen selbst in die Lüge hinein und damit in die Abhängigkeit!

Lügen sind kein moralisches Problem, sondern sind Ausdruck eines Bewusstseins, das sich entwickelt. Jede Lüge entsteht aus einer Angst und erzählt letztlich etwas über Hoffnungen, Verletzungen und Sehnsüchte eines Menschen. Sie zeigt, wo wir uns noch nicht sicher genug fühlen, uns selbst keinen Halt geben und uns nicht trauen ganz wir selbst zu sein. Sie zeigt, wo wir uns schützen, verstecken oder unseren Mangel kompensieren.

Wenn wir beginnen, diese Zusammenhänge zu erkennen, müssen wir uns nicht verurteilen. Es geht nicht darum, mit dem Finger auf uns oder andere zu zeigen. Es geht darum, neugierig zu werden. Wo spiele ich eine Rolle? Wo genau ist mein Schmerz? Wo erzähle ich mir selbst Geschichten? Wo halte ich an etwas fest, das längst nicht mehr meiner Wahrheit entspricht? Wo korrigiere ich, um besser dazustehen? Wer bin ich denn eigentlich hinter meinen Masken und Lügen?

Denn die Menschen lügen nicht, weil sie andere täuschen wollen. Denk an ein kleines Kind, das kennt keine Lügen! Menschen lügen, weil sie irgendwann geglaubt haben, dass die Wahrheit zu gefährlich wäre. Dass sie Liebe kosten könnte, Zugehörigkeit, Wahrnehmung, Anerkennung oder Sicherheit.

 

Zeichen der Zeit und der neuen Dimension

Interessanterweise beobachte ich seit einigen Jahren, dass immer mehr Menschen Schwierigkeiten haben zu lügen. Besonders bei Kindern, hochsensiblen Menschen und auch vielen Menschen aus dem seelenpflegebedürftigen oder autistischen Spektrum fällt auf, dass sie oft einen sehr direkten Zugang zu ihrer inneren Wahrheit haben. Sie spüren sofort, wenn etwas nicht stimmig ist. Sie merken, wenn Worte und Gefühle nicht zusammenpassen. Und sie leiden häufig darunter, wenn sie gezwungen werden, etwas zu sagen oder zu tun, das nicht ihrer eigenen Wahrnehmung entspricht.

Während frühere Generationen oft gelernt haben, sich anzupassen, Rollen zu spielen und gesellschaftliche Erwartungen zu erfüllen, scheint bei vielen Menschen heute eine andere Qualität stärker hervorzutreten. Sie reagieren nicht nur emotional auf Unwahrheiten, sondern oft auch körperlich. Manche bekommen Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Verspannungen. Andere fühlen Druck auf der Brust, Erschöpfung oder eine innere Unruhe, sobald sie gegen ihre eigene Wahrheit handeln sollen.

Aus meiner Sicht hat das weniger mit Schwäche zu tun als mit einer zunehmenden Sensibilität in der neuen Dimension. Das System von Anpassung, Verdrängung und inneren Kompromissen funktioniert für viele Menschen einfach nicht mehr so wie früher.

 

Vielleicht besteht der nächste Entwicklungsschritt darin, wieder den Mut zu finden, uns selbst zu begegnen. Mit all den Gefühlen, die wir geleugnet und an denen wir uns angepasst haben. Mit all den Geschichten, die wir über uns erzählen. Und mit all den Wahrheiten, die geduldig darauf warten, endlich gesehen zu werden.

Das sind keine großen spirituellen Erleuchtungen, aber Schritte raus aus dem Mangel, raus aus den Lügen und den ganzen Lebensanstrengungen. Hin zu Authentizität, Ruhe und Selbstliebe: Embodiment, Awareness, Resilienz und Selbstwirksamkeit.

 

Ohne Lügen zu leben macht das Leben klar, knackig und erstaunlich einfach. Das verwirrende Labyrinth aus Anpassung, Ausreden und Rollen beginnt sich aufzulösen. Was bleibt, ist ein direkter Weg zu dir selbst – mit mehr Freiheit, mehr Energie und deutlich weniger Ballast. Das erschafft eine vollkommen neue Welt!

Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum wir uns mit den kommenden Fähigkeiten so schwertun. Solange wir lügen – bewusst oder unbewusst –, trennen wir uns von uns selbst. Wir überfordern sogar unser Nervenkostüm! Wir senden etwas anderes nach außen, als wir innen fühlen. Doch in dem Moment, in dem Kommunikation unmittelbarer wird und wir uns telepathisch austauschen könnten, funktioniert dieses Prinzip nicht mehr. Gedanken, Gefühle und innere Haltungen wären nicht länger voneinander getrennt. Das Verstecken, Beschönigen oder Inszenieren verliert seine Wirkung.

Telepathie braucht keine perfekten Menschen. Aber sie braucht Ehrlichkeit. Sie braucht Menschen, die bereit sind, sich selbst zu begegnen und ihre inneren Widersprüche zu erkennen. Vielleicht ist die große Aufgabe dieser Zeit deshalb nicht, besondere Fähigkeiten zu entwickeln, sondern die vielen kleinen und großen Lügen in uns zu entdecken. Denn je wahrhaftiger wir werden, desto klarer wird unsere Kommunikation – mit uns selbst, mit anderen Menschen und vielleicht eines Tages auch auf Ebenen, die weit über das gesprochene Wort hinausgehen.

In diesem Sinne wünsche ich euch alles Liebe

und eine authentische und wahrhaftige Zeit

Eure

Stefanie Menzel


 

Ich gebe euch hier noch ein paar Übungen mit auf den Weg, die das Leben leichter machen! Mit dem Lügen aufzuhören beginnt selten damit, anderen die Wahrheit zu sagen. Es beginnt damit, sich selbst wieder wahrzunehmen. Die meisten Lügen entstehen ja nicht aus Bosheit, sondern aus Gewohnheit, Anpassung, Angst vor Ablehnung oder dem Wunsch, geliebt zu werden. Deshalb lohnt es sich, bei den kleinen Dingen des Alltags anzufangen.

  1. Die Stopp-Übung
    Bevor du auf eine Frage antwortest, halte einen Moment inne. Nicht sofort reagieren. Erst spüren. Was fühle ich gerade wirklich? Was möchte ich eigentlich sagen? Schon wenige Sekunden können den Unterschied zwischen einer automatischen Reaktion und einer ehrlichen Antwort ausmachen.
  2. Eine Woche bewusst „Nein“ sagen
    Viele Menschen sagen „Ja“, obwohl sie „Nein“ fühlen. Übe eine Woche lang bewusst, mindestens einmal am Tag freundlich, aber klar Nein zu sagen. Nicht aus Trotz, sondern aus Wahrhaftigkeit.
  3. Erst fühlen, dann entscheiden
    Treffe wichtige Entscheidungen nicht sofort. Frage dich:
    Was sagt mein Kopf?
    Was sagt mein Gefühl?
    Was sagt mein Körper?
    Wenn alle drei unterschiedliche Antworten geben, lohnt es sich, noch etwas zu warten.
  4. Pflicht oder Wahrheit?
    Beobachte im Alltag, wie oft du etwas tust, weil du glaubst, es zu müssen. Frage dich:
    Würde ich das auch tun, wenn ich keine Angst vor Ablehnung, Kritik oder Schuldgefühlen hätte?
  5. Das ehrliche Tagebuch
    Schreibe jeden Abend drei Sätze auf:
    Was habe ich heute wirklich gefühlt?
    Wo habe ich mich angepasst?
    Wo war ich ehrlich mit mir selbst?
  6. Die Körperübung
    Mehrmals täglich kurz innehalten:
    Wie geht es meinem Körper gerade?
    Bin ich angespannt?
    Bin ich müde?
    Bin ich traurig?
    Bin ich wütend?
    Ohne Analyse. Einfach wahrnehmen.
  7. Keine Ausreden
    Versuche einen Tag lang, keine Ausreden zu benutzen. Wenn du etwas nicht möchtest, sage freundlich:
    „Ich möchte das gerade nicht.“
    Das ist oft ehrlicher als lange Erklärungen.
  8. Die Wahrheitsfrage
    Immer wieder fragen:
    Ist das wirklich meine Wahrheit – oder habe ich diesen Gedanken von Eltern, Lehrern, Partnern, Medien oder der Gesellschaft übernommen?
  9. Dem Mangel begegnen
    Wenn du etwas kaufen, beweisen oder erreichen möchtest, frage dich:
    Was wünsche ich mir eigentlich wirklich?
    Anerkennung?
    Liebe?
    Sicherheit?
    Gesehen werden?
  10. Freundschaft mit der Wahrheit schließen
    Wahrheit bedeutet nicht, alles ungefiltert auszusprechen. Wahrheit bedeutet, mit dem, was in dir lebt, in Kontakt zu bleiben. Je mehr du dich selbst fühlst, desto weniger Kraft musst du aufwenden, um Rollen, Geschichten und Fassaden aufrechtzuerhalten.

Denn die größte Freiheit entsteht nicht dadurch, dass wir perfekt werden. Sie entsteht in dem Moment, in dem wir aufhören, vor uns selbst davonzulaufen.