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Orientierungslos!?

Wenn der Körper wahrnimmt,
was die Statistiken und der Verstand
nicht hergeben! 

„Du bist nicht orientierungslos.
Dein inneres Navi spricht nur leiser als dein Verstand.“
Wenn du nicht weißt, wohin – spüre, was du brauchst

Neo und das Mädchen, das dem Leben zuhörte

 

Am nächsten Morgen saß Neo vor der Höhle und betrachtete seine Füße. Er bewegte erst den großen Zeh, dann den kleinen und fragte sich, wie man eigentlich erkennen konnte, ob die eigenen Füße wussten, was sie taten. Seit er begonnen hatte, an sich zu zweifeln, war selbst das nicht mehr selbstverständlich. Dabei hatten ihn diese Füße bislang recht zuverlässig über Steine, durch den Wald und um jede Menge herumliegenden Mammutmist getragen.
„Warum schaust du so streng?“
Neo blickte auf. Neben ihm stand ein kleines Mädchen mit zerzausten Haaren und einem Blatt in der Hand, das sie wie eine Schale zusammengefaltet hatte. Darin lagen einige dunkelblaue Beeren. Sie hieß Nia und war kaum älter als er. Dennoch bewegte sie sich durch den Wald, als würde sie mit ihm eine geheime Sprache sprechen.
„Ich weiß nicht mehr, ob ich meinen Füßen trauen kann“, sagte Neo.
Nia setzte sich neben ihn und betrachtete seine Zehen ebenfalls. „Sie sehen nicht besonders gefährlich aus.“
Neo musste lachen. Nur ein ganz kleines bisschen, aber immerhin. Nia hielt ihm das Blatt hin. „Hast du Hunger?“
Neo wollte schon nach den Beeren greifen, hielt dann jedoch inne. „Woher weiß ich, ob sie mir guttun?“

Nia antwortete nicht gleich. Sie nahm eine Beere zwischen Daumen und Zeigefinger, betrachtete ihre Farbe, roch daran und legte sie auf die Zunge. Dann schloss sie für einen Moment die Augen, als lausche sie einem weit entfernten Geräusch.
„Manche Beeren machen meinen Mund ganz fröhlich“, sagte sie schließlich. „Bei anderen zieht sich mein Bauch zusammen. Dann weiß ich, dass sie nicht für mich sind.“
Gemeinsam gingen sie tiefer in den Wald. Nia zeigte Neo, wie unterschiedlich die Beeren rochen und wie sich sein Körper bereits meldete, bevor er überhaupt eine davon gegessen hatte. Vor einem Strauch mit blassgrünen Früchten blieb Neo stehen. Die Beeren sahen verlockend aus, doch in seinem Bauch wurde es plötzlich eng.
„Da“ sagte Nia. „Das war dein Körper.“
Neo staunte. Er hatte immer geglaubt, ein anderer müsse ihm sagen, was richtig für ihn war. Am besten jemand, der älter war als er selbst, der groß war, laut sprach und dabei sehr wissend in die Ferne schaute. Nun entdeckte er, dass in ihm selbst etwas lebte, das längst Bescheid wusste.
Ein Vogel flatterte über ihre Köpfe und ließ sich in der Krone eines alten Baumes nieder. Nia lief hinterher und begann hinaufzuklettern. Neo blieb am Stamm stehen. Von unten sah der Baum gewaltig aus. Die Äste knackten im Wind und sein Herz klopfte schneller.
„Ich glaube, ich habe Angst“, rief er.
Nia schaute zu ihm herunter. „Das ist gut. Dann bist du aufmerksam.“
Sie prüfte jeden Ast, bevor sie ihr Gewicht darauf verlagerte. Ihre Hände griffen in die raue Rinde, ihre Füße suchten sich einen sicheren Platz. Neo setzte vorsichtig einen Fuß auf den untersten Ast. Sein Herz klopfte noch immer, doch plötzlich verstand er: Die Angst wollte ihn nicht klein machen. Sie half ihm dabei, wach zu bleiben und genau zu schauen.
Langsam kletterte er höher. Seine Füße fanden Halt, seine Hände wussten, wann sie zugreifen mussten. Als er neben Nia auf einem breiten Ast saß, konnte er über die Baumwipfel bis zu den Felsen hinter ihrer Höhle sehen. Neo war so stolz, dass er beinahe aufgestanden wäre. Nia zog ihn lachend zurück. Auch ein gutes Körpergefühl hebt deine Schwerkraft nicht vollständig auf.
Nach einer Weile wurde Neos Mund trocken. Seine Gedanken fühlten sich schwer an und er verlor die Lust, noch länger auf dem Baum zu sitzen. Nia bemerkte es, ohne dass er etwas sagen musste. Sie kletterten hinunter und gingen zu der kleinen Quelle zwischen den Felsen. Neo trank mit beiden Händen. Das kühle Wasser lief ihm über das Kinn und sofort fühlte sich die Welt wieder leichter an.
Als es dunkel wurde, saßen alle am Feuer. Neo wollte unbedingt wach bleiben, denn einer der Älteren erzählte von einer Begegnung mit einem riesigen Bären. Doch die Wärme des Feuers machte seine Augen schwer. Sein Kopf sank immer wieder nach vorn und schreckte dann erschrocken hoch.
„Du bist müde“, flüsterte Nia.
„Ich will aber hören, wie die Geschichte ausgeht.“
„Der Bär wird morgen noch genauso groß sein“, sagte sie. „Dein Körper braucht jetzt Ruhe. In der Nacht wächst er weiter, heilt seine Kratzer und sortiert alles, was du erlebt hast.“
Neo legte sich auf sein Fell. Zum ersten Mal empfand er seine Müdigkeit nicht als störend. Sie war eine Einladung. Sein Körper wusste, wann der Tag genug gewesen war.
Kurz bevor er einschlief, dachte er an die Beeren, an den Baum, das Wasser und seine schweren Augen. In ihm lebte eine leise Weisheit, die den ganzen Tag mit ihm sprach. Sie zeigte sich als Hunger, Durst und Müdigkeit, als Angst, Freude, Enge oder Weite. Diese Gefühle waren keine Hindernisse. Sie waren die Sprache des Lebens in ihm.

Viele Tausend Jahre später sitzen wir nicht mehr vor Höhlen und müssen auch nur selten Mammutmist ausweichen. Dafür besitzen wir Uhren, die uns morgens erklären, wie wir geschlafen haben, bevor wir selbst überhaupt Gelegenheit hatten, einmal ordentlich zu gähnen. Wir lassen uns sagen, was wir essen, wie viel wir trinken, wann wir uns bewegen und wie ein gelungenes Leben auszusehen hat. Wir funktionieren nach Plänen, Empfehlungen und Erwartungen und wundern uns irgendwann, warum wir uns im eigenen Leben und in unserem Körper nicht mehr richtig zu Hause fühlen.
Dabei lebt die leise Weisheit, die Neo damals entdeckte, noch immer in uns. Es ist unsere Körperintelligenz. Sie spricht jeden Tag. Nur haben wir gelernt, sie zu überhören. Wir bleiben wach, obwohl wir müde sind, essen, was nach irgendwelchen Statistiken als „gesund“ gilt, obwohl unser Körper es nicht brauchen kann und nicht mag, und bleiben in Situationen, in denen in uns längst alles eng wird, weil wir Angst haben, sie aber nicht aussprechen. Wir fragen die Welt und irgendwelche §fremden Experten“, was richtig für uns ist, während unser eigenes Leben, unser eigener Körper, uns ständig Informationen gibt, die wir nicht mehr wahrnehmen, die wir nicht beachten, sogar darüber lächeln!
Unsere Basisgefühle wollen uns nicht vorschreiben, wohin wir gehen müssen. Sie führen uns liebevoll zurück zu dem Ort, an dem jede wirkliche Orientierung beginnt: zu uns selbst.

Basisgefühle

Ich verstehe Basisgefühle als die ursprüngliche Sprache des Körpers. Sie sind schon da, bevor der Verstand eine Geschichte daraus macht. Sie zeigen uns, was dem Leben in uns gerade fehlt, was ihm guttut, wo es sich sicher fühlt und wodurch es geschwächt wird. Das Motto der Basisgefühle heißt: Was brauche ich gerade, damit mein Leben mir entspricht und sich in mir wieder gut und kraftvoll anfühlt?

 

Basisgefühle – die erste Sprache unseres Lebens

Wenn ein Mensch auf die Welt kommt, besitzt er weder einen Lebensplan noch eine Vorstellung davon, was aus ihm einmal werden soll. Er kennt keine Arbeitszeiten, Ernährungsempfehlungen oder gesellschaftlichen Erwartungen. Er weiß noch nichts von Erfolg, Pflichtgefühl und Altersvorsorge. Trotzdem verfügt er über eine erstaunlich klare Orientierung. Er spürt Hunger, Durst, Müdigkeit, Wärme, Kälte, Angst und Wut. Sein Körper teilt ihm sehr genau mit, was er braucht. Ein Baby überlegt schließlich nicht, ob es gerade angemessen ist zu weinen. Es prüft auch keinen Terminkalender, bevor es Hunger bekommt. Es schaut auch nicht auf die Uhr, bevor es einschläft. Es schläft einfach oder meldet sich einfach. Laut, eindeutig und bei Bedarf auch mitten in der Nacht.
 

Warum ich meine Basisgefühle vergesse - Anpassung um jeden Preis

Unsere Basisgefühle begleiten uns schon im Mutterleib und natürlich dann vom ersten Atemzug an. Sie sind die ursprüngliche Verbindung zwischen unserem Bewusstsein und unserem Körper. Durch sie erfahren wir, was uns nährt, was uns schützt und wo unsere Grenzen liegen. Ein kleines Kind wendet den Kopf ab, wenn es satt ist. Es schläft ein, sobald sein Körper Ruhe braucht, und bewegt sich aus Freude an der Bewegung. Es sucht die Nähe vertrauter Menschen und reagiert unmittelbar auf Spannungen im Raum. Der Körper hat dabei keinen komplizierten Plan. Er folgt einer lebendigen Ordnung, unter Anderem einem energetischen Wohlfühlprogramm, das auf Resonanz beruht, und das uns über viele Jahrtausende Orientierung gibt.
An jedem Tag in unserem Leben begegnen wir den Vorstellungen unserer Familie, ihren Traditionen und unserer Kultur. Diese Prägungen haben einen wichtigen Sinn. Sie vermitteln Zugehörigkeit, geben Halt und tragen Erfahrungen früherer Generationen weiter. Jede Kultur entwickelte eigene Regeln für Essen, Schlafen, Arbeit, Gemeinschaft, Körper und Gefühle. Was in einer Familie als gesund gilt, erscheint in einer anderen fremd. Manche Kinder essen morgens süß, andere herzhaft, einige sitzen gemeinsam am Tisch, während andere schnell zwischen Tür und Angel versorgt werden. Hinter diesen Gewohnheiten stehen Geschichte, Klima, Religion, Lebensbedingungen und die Erfahrungen der Vorfahren.
Schwierig wird es dort, wo die Tradition wichtiger wird als das eigene Körperempfinden. Man nennt es Sozialisierung und wir alle haben es in unserer Kindheit über uns ergehen lassen. Wenn also ein Mensch nie lernen durfte, den eigenen Wahrnehmungen zu vertrauen, fehlt ihm eine wesentliche Grundlage für das Vertrauen in sich selbst und in das Leben. Dann hat er schon als Kind erfahren, dass andere scheinbar besser wissen, wann er Hunger hat, ob er müde ist, ob ihm kalt ist oder ob sich eine Berührung angenehm anfühlen darf. Er sollte den Teller leer essen, obwohl er längst satt war, still sitzen, obwohl sein Körper nach Bewegung verlangte, und freundlich bleiben, obwohl sich in seinem Inneren bereits alles zusammenzog. So wurde die Stimme von außen mit der Zeit wichtiger zur Orientierung in der Familie und der Gesellschaft als das eigene Empfinden.
Auf diese Weise entwickeln wir uns zu Menschen, die viele Regeln kennen aber sich selbst kaum noch wahrnehmen, geschweige denn die Wahrnehmungen ernst nehmen. Wir fragen andere, was uns guttut, welcher Weg für uns richtig ist und wie wir uns entscheiden sollen. Das eigene Gefühl erscheint unzuverlässig, während jede überzeugend vorgetragene Meinung sofort an Gewicht gewinnt. Und wer dazu noch einen Titel, einen weißen Kittel oder einen beeindruckenden Internetauftritt vorweisen kann, hat schon fast gewonnen.

In der heutigen Zeit der Informationsflut in allen Lebensbereichen, wird die fehlende innere Orientierung besonders deutlich. Wer in sich selbst keinen verlässlichen Boden empfindet, wird durch widersprüchlichen Informationen von außen schnell verunsichert. Er glaubt heute dem einen und morgen dem anderen. Oder er fällt emotional ins bodenlose, weil ihm jede Orientierung fehlt. Manche freuen sich sogar über zig tausende Follower, die sie mit ihrer Meinung übergießen, aber am Ende nicht der gesunden Orientierung im Leben dienen, sondern die Orientierungslosigkeit der gesamten Gesellschaft deutlich machen.
Bilder können heute künstlich erzeugt, Stimmen täuschend echt nachgeahmt und Nachrichten aus ihrem Zusammenhang gerissen werden. Zu jedem Thema finden sich scheinbar eindeutige Beweise – und zwar in jede erdenkliche Richtung. Der eine Experte behauptet dies, der nächste mit derselben Überzeugung das genaue Gegenteil, und beide meinen es ernst.
Je unsicherer die äußere Welt erscheint, desto verzweifelter suchen Menschen nach einer festen Wahrheit, an der sie sich festhalten können. Konnte aber das Vertrauen in den eigenen Körper, die eigenen Wahrnehmungen und Gefühle sich nie stabil entwickeln, fehlt das Vertrauen in sich selbst. Und damit fehlt die einzig sichere Orientierung im eigenen Leben, bis ins hohe Alter!

Ich schwinge mit und nehme wahr, was für mich stimmt!

Das Vertrauen in den eigenen Körper aufzubauen, löst dieses Problem auf einer tieferen Ebene. Es verrät uns, ob ein Bild echt oder eine Behauptung sachlich richtig ist. Es zeigt uns, was eine Information in uns auslöst. Wir sind mit den Dingen um uns herum in Resonanz, wir nehmen wahr, ob sich etwas stimmig anfühlt. Werden wir eng, hektisch oder ängstlich? Sind wir überhaupt noch aufnahmefähig, oder brauchen wir zuerst Ruhe, Wasser und eine Pause von der Weltlage?
Wer sich selbst wahrnehmen und vor Allem ernstnehmen kann, muss auf eine Nachricht nicht sofort reagieren. Er kann innehalten, prüfen und verschiedene Wahrheitsausschnitte nebeneinander betrachten. Inneres Vertrauen macht uns dadurch unabhängig von der Lautstärke und natürlich von der Meinung anderer Menschen.
Hört sich seltsam an, ist aber so: Der Weg zurück zu diesem tiefen Vertrauen in sich selbst, beginnt bei den Basisgefühlen. Habe ich Hunger? Bin ich durstig? Brauche ich Schlaf, Bewegung, bin ich ängstlich oder wütend? Welche Nahrung tut mir gut? Welche Begegnung stärkt mich, und nach welchem Gespräch fühle ich mich leer? Diese Fragen erscheinen einfach. Genau darin liegt auch ihre Kraft. Jede ehrlich wahrgenommene Antwort und ihre Umsetzung stärkt die Verbindung zu uns selbst.
Aus dieser Verbindung wächst Vertrauen. Wir erleben, dass unser Körper mit uns spricht, dass wir seine Signale verstehen können und dass unser Leben eine eigene innere Ordnung besitzt. Wer diesen Boden in sich wiederfindet, bleibt auch dann handlungsfähig, wenn die äußeren Säulen wackeln. Jeder von uns ist auf Grund der eigenen Lebensgeschichte einzigartig und nur wir selbst wissen genau, was für uns stimmt. Das gilt für alle Lebensbereiche!
Darum sind die Basisgefühle weit mehr als Hunger, Durst und Müdigkeit. Sie sind der Anfang einer neuen inneren Sicherheit. In einer Welt, in der immer mehr künstlich erzeugt, inszeniert und widersprüchlich erscheint, führen sie uns zurück zu etwas Echtem: zu unserer eigenen Wahrnehmung, zu unserem Körper und zu dem Leben, das unmittelbar in uns stattfindet und mit uns in Resonanz ist.
 

Es geht nur mit Vertrauen!

Vertrauen ist keine Vorstellung, die wir uns einfach für morgen vornehmen können. Es wächst langsam, aus einer tiefen inneren Gewissheit. Es wächst aus Erfahrungen. Am Anfang unseres Lebens entstehen diese Erfahrungen über die Basisgefühle. Wir spüren Hunger, bekommen Nahrung und werden satt. Wir haben Durst, trinken und fühlen uns wieder lebendiger. Wir sind müde, schlafen und erwachen mit neuer Kraft. Der Körper meldet ein Bedürfnis, das Leben antwortet darauf und in uns entsteht die tiefe Erfahrung: Ich kann mich wahrnehmen. Ich darf meinen Signalen folgen. Das Leben trägt mich. Genau das ist die stabile Ursache für Vertrauen. Es beginnt im Körper und wächst in alle Bereiche unseres Lebens hinein. Wer gelernt hat, Hunger, Durst, Müdigkeit, Anspannung, Freude, Ängste, Wut, Nähe und Rückzug wahrzunehmen, erlebt sich selbst als verlässlich. Er braucht weniger Bestätigung von außen, weil er in sich einen unerschütterlichen Boden gefunden hat.

 

Ruhe ich in mir, weiß ich, was stimmt!

Unsere Basisgefühle führen uns zurück in ein ursprüngliches, tiefes Vertrauen. Sie lassen uns spüren, ob wir erschöpft, überreizt, hungrig, angespannt oder verängstigt sind. Denn ein müder und aufgewühlter Mensch reagiert auf eine dramatische Schlagzeile vollkommen anders als ein ausgeschlafener Mensch, der ruhig und sicher in seinem Körper verankert ist. Wer stundenlang durch Nachrichten und soziale Medien scrollt, hält die eigene nervliche Überforderung irgendwann für den normalen Zustand der gesamten Welt. Das Außen erscheint dann chaotisch, obwohl zunächst einmal einfach das eigene System dringend nach Ruhe ruft.
Unser Körper entscheidet dabei nicht über die sachliche Wahrheit einer Meldung. Er zeigt uns jedoch sehr deutlich, was all die Bilder, Informationen und Gedanken in uns auslösen. Inzwischen ist wissenschaftlich belegt, dass ausgedachte, vorgestellte und medial vermittelte Bilder unsere erlebte Wirklichkeit mitgestalten. Unser Nervensystem reagiert auf das, was wir sehen, denken und uns vorstellen – und unser Körper erlebt diese Reaktion ganz real.
Hinzu kommen unsere inneren Selbstboykotte. Bei vielen Menschen füllen sie ganz selbstverständlich die täglichen Selbstgespräche: „Das schaffe ich sowieso nicht. Die anderen wissen es besser. Mit mir stimmt etwas nicht.“ Solche Gedanken untergraben jeden Ansatz von Selbstvertrauen. Wir glauben den Stimmen im Außen mehr als unserer eigenen Wahrnehmung. Ist das nicht erschreckend? Wir suchen überall nach Antworten und überhören dabei ausgerechnet den Menschen, der uns durch unser ganzes Leben begleitet: uns selbst.

Wer seinen Basisgefühlen vertraut, wird weniger steuerbar. Er kann unterschiedliche Wahrheitsausschnitte betrachten, ohne dabei den eigenen Boden zu verlieren. Er muss weder alles glauben noch alles ablehnen. Er kann wahrnehmen, prüfen, unterscheiden und seine eigene Haltung dazu finden. Auch Unsicherheit wird dann leichter auszuhalten, weil das Vertrauen nicht mehr ausschließlich von äußeren Erklärungen, Expertenmeinungen oder der nächsten Schlagzeile abhängt.
Darum beginnt der Weg in eine verwirrende Zukunft erstaunlich einfach: mit dem neuen Kennenlernen von Hunger, Durst, Müdigkeit, Angst und Wut – und mit der ehrlichen Wahrnehmung dessen, was uns stärkt und was uns schwächt. Je feiner wir unseren Körper wieder hören, desto klarer wird unser innerer Kompass. Aus diesen kleinen, alltäglichen und verlässlichen Erfahrungen wächst das große Vertrauen: in uns selbst, in unsere Wahrnehmung und in das Leben.

 

Hunger –
die kluge Erinnerung des Körpers

Hunger gehört zu den ursprünglichsten Empfindungen unseres Lebens. Schon ein Neugeborenes weiß sehr genau, wann es Nahrung braucht. Es kennt weder Ernährungspläne noch Kalorientabellen und hat noch nie darüber nachgedacht, ob Kohlenhydrate nach 18 Uhr ein moralisches Problem darstellen. Trotzdem meldet es sich zuverlässig, sobald sein Körper Nachschub benötigt.
Unser Körper ist ununterbrochen tätig. Jede Zelle verbraucht Energie, Gewebe wird erneuert, Wärme erzeugt, Nahrung verdaut und Erlebtes verarbeitet. Das Gehirn denkt, das Herz schlägt, die Muskeln bewegen uns durch den Tag und selbst im Schlaf laufen unzählige Aufbau- und Reparaturprozesse weiter. Für all das braucht der Organismus Nährstoffe. Sind Energie und verfügbare Reserven aufgebraucht oder verändert sich der Bedarf, entstehen Hunger und der entsprechende Appetit. Er ist die körperliche Aufforderung, neue Energie und neue Baustoffe aufzunehmen. Und nur dein Körper weiß ganz genau, welchen Stoff er gerade braucht um stabil leben zu können.
Dabei meldet sich Hunger sehr unterschiedlich. Manchmal spüren wir ein deutliches Ziehen oder eine Leere im Bauch. Manchmal lässt die Konzentration nach, wir werden kraftlos, unruhig oder gereizt. Plötzlich erscheint der Mensch am Nachbartisch unerträglich, obwohl er lediglich seinen Kaffee umrührt.

Ohne Appetit fehlt uns ein Wegweiser

Zum Hunger gehört die Wahrnehmung, welche Art von Nahrung gerade guttun könnte. Der Organismus hat schließlich keinen starren Tagesbedarf, der jeden Morgen identisch aus dem Drucker kommt. Alter, Bewegung, Wetter, seelische Belastung, Gesundheitszustand und der bisherige Tagesverlauf beeinflussen, was wir brauchen. Nach körperlicher Anstrengung fühlt sich eine kräftige Mahlzeit stimmig an. An einem heißen Tag zieht es uns eher zu etwas Frischem und Leichtem. Manchmal wünschen wir uns etwas Warmes, Salziges, Saftiges oder Erdendes. Der berühmte knurrende Magen ist eine Ausdrucksform und unser Appetit ist Ausdruck dafür, welcher Stoff dem Körper gezielt gerade fehlt.
Diese Wünsche können Hinweise darauf geben, in welche Richtung der aktuelle Bedarf geht. Sie sind allerdings keine exakten Laborbefunde. Appetit wird auch durch Gewohnheiten, Gerüche, Bilder, Erinnerungen, Stress und kulturelle Prägungen beeinflusst. Gerade deshalb braucht es Aufmerksamkeit. Je besser wir unseren Körper kennenlernen, desto leichter können wir unterscheiden, ob wir wirklichen Hunger verspüren, Trost suchen, aus Gewohnheit essen oder gerade auf eine besonders überzeugende Tüte Chips reagieren.

Weißt du was du brauchst?

Unser ursprüngliches Gespür wurde im Laufe des Lebens von vielen Regeln überlagert. Als Kinder sollten wir den Teller leer essen, weil anderswo Menschen hungerten. Später erfuhren wir, dass Fett gefährlich, Kohlenhydrate verdächtig, Zucker grundsätzlich böse und Eiweiß offenbar für nahezu jedes Lebensproblem zuständig sei. Kaum hatten wir eine Regel verstanden, erschien bereits die nächste Ernährungslehre und erklärte das Gegenteil.
Heute kennen viele Menschen mehr Regeln über Ernährung als ihren eigenen Hunger. Sie wissen, wie viele Kalorien eine Avocado enthält und zu welcher Uhrzeit der Blutzucker angeblich beleidigt reagiert. Gleichzeitig können sie kaum beantworten, worauf ihr Körper gerade Lust hat und nach welcher Mahlzeit oder Menge von Essen sie sich wirklich wohlfühlen.
Der Körper flüstert etwas von einer warmen Kartoffel, während der Kopf mit Chiasamen und Eiweißtabellen wedelt.

Man greift zu Nahrungsergänzung als Ersatz für das Körpergefühl!

Externe Ratgeber können Wissen vermitteln. Sie können Zusammenhänge erklären, auf Mängel aufmerksam machen und bei Erkrankungen eine wichtige Unterstützung sein. Doch sie kennen immer nur allgemeine Werte und Wahrscheinlichkeiten. Kein Ernährungsplan weiß, wie wir geschlafen haben, wie viel Kraft wir an diesem Tag verbraucht haben, ob uns kalt ist oder ob unser Nervensystem gerade auf Hochtouren arbeitet. Der Ratgeber kennt den Durchschnitt. Unser Körper kennt den heutigen individuellen Zustand.
Besonders deutlich zeigt sich unsere verlorene Körperwahrnehmung beim Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln. Sie werden meist ausschließlich aus dem Kopf heraus gewählt. Wir lesen einen Artikel über Vitamin D, hören im Podcast von Magnesium und erfahren anschließend, dass Zink, Selen und Omega-3 selbstverständlich auch auf keinem Frühstückstisch fehlen dürfen. Schon steht dort eine kleine Armada aus Dosen, Kapseln und Pulvern, die alle versprechen, unseren Körper zu optimieren.
Dabei wird kaum noch gefragt, ob der Organismus diese Stoffe tatsächlich braucht, in welcher Menge er sie benötigt und wie die einzelnen Präparate zusammenwirken. Viel hilft beim Stoffwechsel keineswegs automatisch viel. Hoch dosierte Vitamine und Mineralstoffe können zu einer Überversorgung führen, Nebenwirkungen auslösen, Laborwerte verfälschen und die Wirkung von Medikamenten beeinflussen. Der Körper muss alles, was wir ihm zuführen, aufnehmen, verarbeiten, speichern oder wieder ausscheiden. Auch eine gut gemeinte Kapsel bedeutet daher Arbeit.
Gezielt eingesetzte Nahrungsergänzungsmittel können bei einem festgestellten Mangel, in bestimmten Lebensphasen oder aus medizinischen Gründen sehr sinnvoll sein. Dann orientiert sich die Einnahme an einem konkreten Bedarf. Wahllos zusammengestellte Präparate nähren dagegen vor allem die Vorstellung, wir könnten unseren Körper von außen perfektionieren, ohne ihm wirklich zuzuhören.
Auch hier lohnt sich die Rückkehr zur eigenen Wahrnehmung und zu einer vernünftigen Prüfung: Was fehlt mir tatsächlich? Wie habe ich den Mangel festgestellt? Verändert sich mein Befinden durch die Einnahme? Passt die Dosierung zu mir und zu den anderen Mitteln, die ich einnehme? Der Körper braucht keine möglichst vollständige Sammlung aus dem Drogerieregal. Er braucht das, was ihn in seiner jeweiligen Situation wirklich unterstützt, in der für mich passenden Menge.

Du brauchst was anderes als ich!

Jeder Mensch hat andere Voraussetzungen. Verdauung, Stoffwechsel, Lebensgeschichte, Bewegung, Unverträglichkeiten, Alter und persönliche Vorlieben unterscheiden sich. Selbst bei einem einzelnen Menschen verändert sich der Bedarf im Laufe des Lebens. Was uns mit zwanzig Kraft gegeben hat, kann sich mit sechzig schwer anfühlen. Was im Winter wunderbar nährt, passt im Hochsommer kaum noch. Ein festes Ernährungskonzept kann diese lebendige Veränderung nur begrenzt erfassen.
Den eigenen Hunger wieder wahrzunehmen bedeutet daher, eine Beziehung zum Körper aufzubauen. Vor dem Essen können wir einen Moment innehalten und fragen: Habe ich wirklich Hunger? Wie fühlt er sich an? Wonach sehne ich mich? Brauche ich Wärme, Frische, Kraft oder Leichtigkeit? Auch während des Essens spricht der Körper weiter. Der Geschmack verändert sich, die innere Unruhe lässt nach und irgendwann stellt sich Sättigung ein.
Ebenso wichtig ist die Wahrnehmung nach dem Essen. Fühlen wir uns angenehm genährt, klar und kraftvoll? Werden wir müde, schwer oder unruhig? Durch diese Beobachtungen lernen wir unseren Körper besser kennen. Es geht um Erfahrung, Aufmerksamkeit und eine wachsende Vertrautheit mit der eigenen inneren Sprache.
Hunger ist damit weit mehr als ein unangenehmes Loch im Bauch, das möglichst schnell gefüllt werden muss. Er erinnert uns daran, dass Leben einen ständigen Austausch braucht. Wir nehmen auf, verwandeln, verbrauchen, lassen los und erneuern. Unser Körper arbeitet jeden Augenblick für uns und meldet sich, wenn er Unterstützung braucht.
Wir dürfen wieder lernen, diese Meldung ernst zu nehmen. Ganz ohne Ernährungsideologie, Selbstoptimierung und schlechtes Gewissen. Manchmal lautet die klügste Antwort des Tages tatsächlich: eine warme Kartoffel.

Sättigung

Sättigung beendet die Nahrungsaufnahme auf natürliche Weise. Der Körper wird ruhig, das Interesse am Essen lässt nach, Geschmack und Genuss verändern sich.
Dieses Basisgefühl reicht weit über das Essen hinaus. Wir können auch von Arbeit, Gesprächen, Informationen, Menschen und Erlebnissen satt sein. Sättigung sagt: Ich habe genug aufgenommen. Jetzt brauche ich Zeit zum Verdauen.
Wer dieses Gefühl übergeht, nimmt immer mehr auf und fühlt sich trotzdem immer leerer. Daraus entstehen überfüllte Tage, überforderte Köpfe und Schränke, deren Inhalt für drei weitere Leben reichen würde.

Durst

Durst – warum unsere Zellen Wasser brauchen
Durst erinnert uns daran, dass unser Körper zu einem großen Teil aus Wasser besteht und dieses Wasser ständig nachgefüllt werden muss. Unser Körper besteht je nach Alter und Körperbau etwa zur Hälfte bis zu zwei Dritteln aus Wasser. Bei Säuglingen sind es sogar rund 75 Prozent. Wir sind also keine festen Wesen, die gelegentlich etwas trinken müssen – wir sind im Grunde sehr lebendige Wasserwesen mit erstaunlich stabiler Außenhülle. Wir verlieren Flüssigkeit über die Atmung, die Haut, den Urin und die Verdauung. Selbst wenn wir ruhig auf dem Sofa sitzen, verlässt Wasser unbemerkt unseren Körper. An warmen Tagen, bei Bewegung, Stress, Fieber oder trockener Heizungsluft steigt der Bedarf zusätzlich.
Jede einzelne Zelle ist auf eine wässrige Umgebung angewiesen. Wasser befindet sich in den Zellen, zwischen den Zellen und im Blut. Es löst Mineralstoffe und andere Substanzen, transportiert Nährstoffe zu den Geweben und hilft dabei, Stoffwechselprodukte wieder abzutransportieren. Auch die Regulation der Körpertemperatur, des Blutvolumens und des Elektrolythaushalts hängt von einer ausreichenden Flüssigkeitsversorgung ab. Ohne Wasser könnten viele chemische Reaktionen, durch die Energie entsteht, Gewebe aufgebaut und der Organismus erneuert wird, kaum ablaufen.

Du bestehst zu 50-60% aus Wasser!
Man kann sich eine Zelle wie einen kleinen lebendigen Arbeitsraum vorstellen. Nährstoffe müssen hineingelangen, Abfallprodukte müssen hinaus, Informationen werden weitergegeben und unzählige Prozesse greifen ineinander. Wasser hält diesen inneren Verkehr in Bewegung. Fehlt es, wird aus dem fließenden Betrieb zunehmend zähflüssiger Feierabendverkehr inklusiv Stau.
Durst kann sich durch einen trockenen Mund, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Schwindel oder innere Unruhe zeigen. Auch Gereiztheit kann damit zusammenhängen. Der berühmte Satz „Trink erst einmal etwas“ ist daher keineswegs immer Ausdruck mangelnder Fantasie. Manchmal ist er eine erstaunlich vernünftige erste Hilfe.
Viele Menschen bemerken ihren Durst erst spät. Kaffee, Termine, Gewohnheiten und ein voller Alltag überdecken das Signal. Wir sind so beschäftigt, dass der Körper mehrfach anklopfen muss. Irgendwann übernimmt eine Trink-App die Aufgabe, die unser Durstgefühl von Anfang an erledigen wollte.

Ich trink doch den ganzen Tag Kaffee, das reicht doch!
Natürlich enthalten auch Cola, Saft, Kaffee oder Cognac Wasser. Der Körper erkennt jedoch keine Getränkemarken. Im Verdauungssystem wird alles wieder in seine Bestandteile zerlegt. Das Wasser kann aufgenommen werden, während Zucker, Säuren, Koffein, Alkohol und weitere Stoffe ebenfalls verarbeitet werden müssen. Für die Zelle bleibt am Ende das Wasser der entscheidende Bestandteil. Sie interessiert sich herzlich wenig dafür, ob es vorher in einer edlen Flasche mit Goldetikett gewohnt hat.
Cola trägt durch ihren Wasseranteil durchaus zur Flüssigkeitsaufnahme bei. Gleichzeitig liefert sie je nach Sorte viel Zucker, Säuren und Koffein. Der Zucker muss in den Stoffwechsel aufgenommen werden und liefert zusätzliche Energie, die der Körper in diesem Moment gar nicht angefordert haben muss. Als gelegentliches Genussmittel darf Cola ihren Platz haben. Als dauerhafter Ersatz für Wasser bringt sie jedoch Begleitstoffe mit, die für das reine Stillen des Durstes überflüssig sind. Wer durstig ist, braucht zunächst Flüssigkeit und keine sprudelnde Süßigkeit.
Noch deutlicher wird der Unterschied beim Cognac. Auch er enthält Wasser, doch sein hoher Alkoholgehalt macht ihn als Durstlöscher ungeeignet. Alkohol greift in die hormonelle Regulation des Wasserhaushalts ein und kann die Urinausscheidung erhöhen. Gleichzeitig muss die Leber den Alkohol abbauen. Der Körper erhält also eine kleine Menge Wasser und bekommt gleich eine deutlich größere Aufgabe dazu, Gift auszusortieren. Das ist ungefähr so, als würde man jemandem, der um ein Glas Wasser bittet, erst einen Eimer Arbeit in die Hand drücken.
Auch Kaffee zählt zur Flüssigkeitszufuhr und entzieht dem Körper in üblichen Mengen keineswegs automatisch das gesamte enthaltene Wasser. Trotzdem ist klares Wasser die einfachste Form der Versorgung. Es liefert Flüssigkeit ohne Zucker, Alkohol oder zusätzliche Kalorien und muss nicht erst aus einem ganzen Paket von Begleitstoffen herausgearbeitet werden.
Das bedeutet keineswegs, dass wir nur noch stilles Wasser trinken und jedem anderen Getränk mit strenger Miene begegnen müssen. Genuss gehört zum Leben. Ein Cognac kann Genuss sein, eine Cola ebenfalls. Durst ist jedoch ein körperliches Bedürfnis. Genuss und Versorgung erfüllen verschiedene Aufgaben, auch wenn sie gelegentlich aus demselben Glas kommen. Klares, gesundheitlich einwandfreies Wasser versorgt den Körper mit Flüssigkeit, ohne ihm gleichzeitig Zucker, Alkohol oder andere Stoffe zur Verarbeitung mitzugeben. Dadurch steht genügend Wasser für den Stoffwechsel, den Transport von Nährstoffen und die Ausscheidung wasserlöslicher Abbauprodukte über die Nieren zur Verfügung. Vereinfacht gesagt: Wer aufräumen möchte, sollte währenddessen nicht ständig neue Pakete vor die Tür stellen.

Wasser macht Laune!
Durst steht zugleich für das Bedürfnis nach Erfrischung und innerem Fluss. Ein Glas Wasser unterbricht für einen Moment die Geschwindigkeit des Tages. Wir halten inne, trinken und geben dem Körper etwas, das er unmittelbar verwenden kann. Manchmal braucht der Organismus genau diese kleine Pause, bevor der nächste Gedanke wieder geradeaus laufen kann.
Unsere Zellen verlangen keine komplizierte Getränkekarte. Sie brauchen Wasser. Und manchmal ist das Einfachste tatsächlich genau das, was das Leben am besten in Bewegung hält. Wenn Kinder quengelig oder knatschig werden, lohnt sich zuerst ein Glas Wasser. Manchmal steckt hinter der schlechten Laune schlicht Durst. Die Flüssigkeit unterstützt den Stoffwechsel und hilft dem Körper, wieder in sein Gleichgewicht zu finden – und aus dem kleinen Gewitter kann erstaunlich schnell wieder Sonnenschein werden.
Und besonders ältere Menschen trinken leicht zu wenig, da das Durstgefühl im Alter schwächer werden kann und sie das trinken schlicht vergessen. Fehlt dem Körper Flüssigkeit, leidet auch das Gehirn: Konzentration und Aufmerksamkeit lassen nach, Schwindel, Müdigkeit oder plötzliche Verwirrtheit können auftreten. Eine Dehydrierung wird dann leicht mit beginnender Demenz oder allgemeinem Altersabbau verwechselt. Manchmal braucht der Mensch zunächst etwas sehr Einfaches: regelmäßig Wasser, liebevolle Aufmerksamkeit und jemanden, der darauf achtet, dass das Glas tatsächlich geleert wird.

 

 

 

Vertrauen beginnt im Kleinen

Soweit fürs Erste zu den beiden Basisgefühlen Essen und Trinken. Zwei ganz alltägliche Vorgänge, über die man eigentlich kein großes philosophisches Werk erwarten würde. Und doch beginnt genau hier unsere Beziehung zum Leben. Wir nehmen etwas auf, spüren, was uns nährt, und geben unserem Körper das, was er braucht. Einfacher kann Vertrauen nicht entstehen.
Unser Körper ist permanent mit einer hohen Intelligenz mit Selbstheilung und Optimierung beschäftigt und er spricht jeden Tag mit uns. Diese Sprache war lange da, bevor wir Ernährungskonzepte, Gesundheitsempfehlungen und gesellschaftliche Vorstellungen kennenlernen konnten. Im Laufe unseres Lebens haben wir jedoch gelernt, den äußeren Stimmen mehr zu glauben als der eigenen Wahrnehmung.
Den eigenen Körper wieder aus dieser Fremdbestimmung zu übernehmen, ist ein stiller und zugleich kraftvoller Schritt. Wir erobern dabei nichts Neues. Wir holen etwas zurück, das immer zu uns gehört hat: die Fähigkeit, uns selbst wahrzunehmen. So entsteht Selbstvertrauen ganz praktisch, ohne Seminar, Urkunde oder feierliche Einweihung.

Vertrauen schenkt uns Stabilität. Wer in seinem Körper zu Hause ist, verliert bei jeder neuen Empfehlung und jeder dramatischen Nachricht weniger schnell den Boden. Die Welt kann sich drehen, widersprechen und täglich eine neue Wahrheit durchs Dorf tragen. In uns bleibt ein Ort, an dem wir wahrnehmen können: Wie geht es mir wirklich? Was stärkt mich? Was zieht mir Kraft ab? Was fühlt sich stimmig an?
Aus dieser Stabilität wächst Authentizität. Wir müssen weniger darstellen, erfüllen und verteidigen. Wir können ehrlicher entscheiden, was zu uns gehört und was seinen Weg ohne uns fortsetzen darf. Authentisch zu leben bedeutet, mit der eigenen Wahrnehmung verbunden zu bleiben, auch wenn das Außen gerade eine weitere vollkommen überzeugende Gebrauchsanweisung für unser Leben veröffentlicht.

Die Welt da draußen darf sich weiter verdrehen. Wir müssen uns dabei nicht mitverdrehen.
Liebe Grüße an Alle
Eure
Stefanie Menzel