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Die neue Welt passt in kein Wahlprogramm

 

Bewusstseinswandel macht vor Politik nicht halt.  

Wenn wir auf die Wahl in Sachsen-Anhalt und die heftigen Reaktionen danach schauen, sehen wir zunächst Chaos. Wut, Angst, Triumph, Enttäuschung und die alten Schreckensbilder der deutschen Geschichte stehen gleichzeitig im Raum. Parteien verlieren an Bindungskraft, einzelne Persönlichkeiten rücken in den Mittelpunkt und bisherige politische Sicherheiten tragen nicht mehr.

Energetisch betrachtet ist all das weit mehr als ein politisches Ereignis. Es ist ein sichtbarer Ausschnitt einer viel größeren Entwicklung, die schon seit Jahren die gesamte Menschheit erfasst und jetzt auch in unserer Kultur und den großen Lebenszusammenhängen sichtbar wird. Wir befinden uns in einem umfassenden Bewusstseinswandel. Die energetischen Felder, die unsere Welt gestalten, verändern sich, die alte Matrix hat ihre Stabilität verloren und mit ihr zerfallen die Weltbilder, die unser Leben über Jahrhunderte geprägt haben. Das betrifft unsere Politik ebenso wie Bildung, Ausbildung, Berufe, Medizin, Beziehungen, Religion, Wirtschaft und unser Finanzsystem.

Alles verändert sich.

 

Na, dann lass uns schwimmen lernen!

Das Neue liegt noch nicht fertig vor uns. Es gibt keinen Plan, den wir nur aus der Schublade ziehen müssten. Wir erleben eine Übergangszeit und befinden uns jetzt im Prozess von der Raupe zum Schmetterling in der Phase des Kokons. Es herrscht Chaos, es fehlt Orientierung, aber wir dürfen das Vertrauen haben, dass die Schöpfung weiß was sie tut! Das Alte funktioniert immer weniger, und das Neue wird erst durch uns Form annehmen. Aber erstmal herrscht Durcheinander! Und ehrlich gesagt: Genau das macht mir Freude. Nicht das Leiden, die Angst oder die Aggression. Sondern die Gewissheit, dass selbst dieses gewaltige Durcheinander, was vermutlich noch an Schwung zunehmen wird, Ausdruck einer Bewegung ist, die längst begonnen hat. Ich habe den „Aufstieg“ in eine neue Dimension ja als Metapher bereits öfter als Swimming Pool beschrieben, in dem das Wasser steigt und wir darin langsam lernen dürfen zu schwimmen, zu tauchen, zu surfen, um die Prozesse des Wandels zu genießen. Manch einer springt sogar vom Rand des Beckens begeistert mit einem Kopfsprung ins Wasser und beherrscht bereits alle Disziplinen. Manche bleiben nach wie vor fest auf dem Boden des Beckens sitzen, wollen auf keinen Fall eine Veränderung zulassen und hoffen, dass der Wasserstand wieder sinken möge, damit alles so wird „wie Früher“! Das wird nicht geschehen. Aber die aktuelle politische Wahl ist für mich in diesem Bild das „kollektive Schwimmenlernen“, ohne Schwimmflügelchen!

 

Beziehung ist die neue politische Kraft!

Die bisherige Politik beruht weitgehend auf Hierarchie. Einige Menschen stehen oben, verfügen über Wissen, Zahlen und Macht und erklären den anderen, wohin der Weg führt. Die Bevölkerung soll darauf vertrauen, dass dort oben schon jemand weiß, was richtig ist. Doch Menschen wollen immer weniger geführt, verwaltet und belehrt werden. Sie beginnen, ihre eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen. Sie hinterfragen Autoritäten, Institutionen und vermeintliche Gewissheiten. Sie wollen selbst entscheiden und gestalten. Das macht sie nicht automatisch weise. Zunächst macht es sie frei von alten Bindungen. Und Freiheit kann am Anfang ziemlich wild aussehen.

Für mich werden dabei zwei grundverschiedene Arten unserer Kommunikation sichtbar.

Die eine baut Beziehung auf. Ein Mensch hört zu, nimmt Schwingungen und Stimmungen wahr, spricht eine verständliche Sprache und erreicht sein Gegenüber. Er vermittelt: Ich sehe euch. Ich kenne eure Sorgen, ich lasse mich auf euch ein und ich bin mit euch in Kontakt.

Die andere kommt aus der Hierarchie. Sie lässt Gefühle außen vor, ist kalt, beruft sich auf Fakten, beurteilt die Wirklichkeit anderer Menschen von oben herab und erklärt ihnen, was für sie richtig wäre, ohne sie wahrzunehmen und ihre Bedürfnisse zu fühlen. Sie vermittelt: Ich weiß es besser. Ihr müsst mir nur folgen.

Fakten können dabei vollständig korrekt sein. Und trotzdem entsteht keine Verbindung.

Genau für diese Haltung steht das inzwischen viel zitierte Bild vom „alten weißen Mann“. Damit ist kein bestimmter Mann gemeint und ist auch keine Frage nach Alter, Geschlecht oder Hautfarbe. Es beschreibt ein überholtes Prinzip: oben und unten, Stärke und Schwäche, Wissen und Gehorsam. Einer weiß, wo es langgeht, die anderen sollen folgen. Gefühle gelten als störend, Bedürfnisse als persönliche Empfindlichkeiten und Beziehung als etwas subjektives, das bei sachlichen Entscheidungen keine Rolle spielen darf.

Dieses Prinzip hat unsere Politik, unsere Wirtschaft, unsere Bildung und unsere Familien über lange Zeit geprägt. Es war Teil einer alten Ordnung, die über klare Hierarchien funktioniert hat. Der Vater bestimmte, der Chef entschied, der Lehrer wusste Bescheid und der Politiker erklärte den Menschen die Welt. Das gab vielen Halt und Orientierung. Gleichzeitig ließ es wenig Raum für Wahrnehmung, Eigenverantwortung und wirkliche Begegnung.

 

Der alte weiße Mann und unser inneres Nein.

Der „alte weiße Mann“ gehört deshalb der Vergangenheit an – auch wenn er noch überall auftritt und keineswegs immer männlich oder weiß ist. Dieses alte Prinzip kann von jedem Menschen gelebt werden. Frauen können ebenso hierarchisch, kalt und bestimmend auftreten. Auch junge Menschen können glauben, ihre Wahrheit sei die einzig richtige. Es geht um ein inneres Muster, das endlich seine Tragfähigkeit verliert.

Bei Friedrich Merz wird diese Begrenzung für mich besonders deutlich. Seine Art zu kommunizieren vermittelt Sachkenntnis und Anspruch, zugleich entsteht bei vielen Menschen der Eindruck großer Distanz und Kälte. Er spricht über Zahlen, Entscheidungen und Notwendigkeiten, erreicht aber die Lebenswirklichkeit vieler Menschen nicht. Ob er selbst Verachtung empfindet, können wir nicht wissen. Doch seine Kommunikation wirkt genau so. Und in der Politik entscheidet das, was beim Menschen ankommt.

 

Meine persönliche Erfahrung dazu: Ich kenne die beschriebene Veränderung aus meinem eigenen Erleben. Sowohl während der Coronapolitik als auch heute beim Auftreten von Politikern, die noch das alte hierarchische Prinzip verkörpern, spüre ich in mir ein sehr deutliches Nein. Dieses Nein entsteht nicht erst nach langem Nachdenken. Es ist sofort da. Körperlich, energetisch und vollkommen eindeutig.

Die betreffenden Menschen können viel erklären. Sie können Zahlen, Studien und vernünftige Argumente vorlegen. Sie können in einzelnen Punkten sogar recht haben. Und trotzdem gehe ich nicht mit.

Noch vor einigen Jahren konnten Autoritäten mich eher mitnehmen. Wenn jemand überzeugend auftrat, über Fachwissen verfügte oder eine hohe Position innehatte, war ich bereit, seiner Einschätzung zu folgen. Heute sträubt sich etwas in mir, sobald ich spüre, dass ein Mensch von oben nach unten spricht, meine Wahrnehmung übergeht oder seine Wahrheit für allgemeingültig erklärt.

Dabei wehre ich mich nicht gegen Wissen oder Fakten. Ich reagiere auf die Energie, mit der sie vermittelt werden.

In der Coronazeit wurde diese alte Form für mich besonders deutlich. Entscheidungen wurden mit Gefahr, Verantwortung und wissenschaftlicher Notwendigkeit begründet. Gleichzeitig blieb für viele persönliche Wahrnehmungen, Fragen und Bedürfnisse kaum Raum. Die Botschaft lautete: Wir wissen, was richtig ist. Ihr müsst vertrauen und folgen.

Genau an diesem Punkt entstand in mir das Nein.

Dieses Nein ist kein Trotz. Es ist auch keine grundsätzliche Ablehnung von Gemeinschaft oder Verantwortung. Es ist die Wahrnehmung einer Grenze. Mein Inneres meldet mir: Hier soll ich mich unterordnen. Hier wird keine Beziehung zu mir aufgebaut. Hier soll ich meine eigene Wahrnehmung gegen eine vorgegebene Wirklichkeit eintauschen.

Und das kann und will ich nicht mehr.

Ich glaube, dass es vielen Menschen ähnlich geht. Sie können es nicht immer erklären und bringen es auf sehr unterschiedliche Weise zum Ausdruck. Manche werden laut, manche laufen Amok, manche ziehen sich zurück, manche wandern aus,  manche verweigern sich und manche wählen Parteien oder Personen, von denen sie sich wenigstens gesehen fühlen. Hinter all diesen Reaktionen kann dieselbe tiefe Bewegung liegen: Ich möchte nicht länger übergangen und verwaltet werden.

Das ist für mich ein deutliches Zeichen der Bewusstseinsentwicklung. Die alte Autorität verliert ihre Wirkung. Titel, Ämter, Fachwissen und gesellschaftlicher Status reichen nicht mehr aus, um Menschen innerlich mitzunehmen. Die Menschen prüfen zunehmend mit ihrem eigenen Empfinden, ob Worte und Energie zusammenpassen.

Natürlich kann auch dieses Empfinden geprägt, verletzt oder von Angst beeinflusst sein. Es ersetzt nicht jede sachliche Prüfung. Doch es lässt sich nicht mehr einfach wegargumentieren. Es gehört zu unserer Wahrnehmung und damit in jedes wirkliche Gespräch.

Die neue Zeit verlangt deshalb eine andere Form der Führung. Sie darf informieren, erklären und Orientierung anbieten. Sie muss den Menschen jedoch frei lassen. Sie braucht Beziehung, damit aus Information eine gemeinsame Bewegung entstehen kann.

Denn ich kann keinem Menschen zustimmen, ohne ihm zu vertrauen. Ich kann seine Fakten anerkennen und trotzdem seinen Weg nicht mitgehen.

Mein inneres Nein richtet sich nicht zwangsläufig gegen das Gesagte. Es zeigt mir, dass die Form der Beziehung für mich nicht mehr stimmt.

Und dieses Nein ist bereits ein Teil der neuen Welt.

 

 

Wie sieht es in den privaten Beziehungen aus?

Auch dort treffen diese beiden Varianten von Kommunikation aufeinander. Der eine Partner möchte über Gefühle, Bedürfnisse und die gemeinsame Beziehung sprechen. Der andere erklärt die Fakten, bietet eine vernünftige Lösung an und versteht nicht, weshalb damit noch längst nichts geklärt ist.

Einer sagt: „Ich fühle mich allein.“

Der andere antwortet: „Aber ich bin doch jeden Abend zu Hause.“

Sachlich kann das vollkommen richtig sein. Beziehung entsteht dadurch noch keine.

Oder einer sagt: „Du interessierst dich nicht für mich.“

Der andere zählt auf, was er alles erledigt, bezahlt, organisiert und getan hat. Er liefert Beweise für seine Anwesenheit und hört die eigentliche Botschaft trotzdem nicht: Ich erreiche dich nicht mehr.

Das alte Beziehungsmodell versteht Partnerschaft über Zuständigkeiten. Einer sorgt für das Einkommen, der andere für das Zuhause. Einer trifft die wichtigen Entscheidungen, der andere trägt sie mit. Solange jeder seine Aufgabe erfüllt, gilt die Beziehung als funktionierend.

Doch auch dieses Modell trägt nicht mehr. Menschen wollen innerhalb einer Partnerschaft nicht nur versorgt sein. Sie wollen gesehen, gehört und innerlich erreicht werden. Sie möchten ein Gegenüber erleben, das sich berühren lässt, ohne sofort zu erklären, zu urteilen oder eine Lösung anzubieten.

Gerade viele langjährige Beziehungen geraten deshalb in Bewegung. Ein Partner entwickelt sich weiter, nimmt sich selbst bewusster wahr und beginnt, alte Rollen zu verlassen. Der andere hält an dem fest, was doch jahrzehntelang funktioniert hat. Er versteht die Unzufriedenheit nicht, weil aus seiner Sicht alle äußeren Fakten stimmen.

Das Haus ist da. Das Geld reicht. Die Aufgaben werden erledigt. Man ist noch zusammen.

Und dennoch gibt es keine Verbindung.

Die Qualität der neuen Zeit macht diese Leere spürbar. Menschen können immer weniger in Beziehungen bleiben, in denen sie nur eine Funktion erfüllen. Sie wollen sich nicht mehr unterordnen, anpassen oder von einem Partner erklärt bekommen, wie sie eine Situation zu empfinden haben. Sie wollen mit ihrer Wahrnehmung ernst genommen werden.

Das bedeutet nicht, dass Fakten unwichtig werden. Es bedeutet, dass Fakten allein keine Beziehung tragen. Auch eine sachlich richtige Aussage kann verletzen, wenn sie ohne Kontakt zum anderen ausgesprochen wird. Und eine vernünftige Lösung hilft nicht, wenn der Mensch darin gar nicht vorkommt.

Die neue Form von Beziehung entsteht auf Augenhöhe. Beide bringen ihre Wahrnehmung, ihre Bedürfnisse und ihren Wahrheitsausschnitt ein. Keiner besitzt die ganze Wahrheit. Keiner steht über dem anderen. Man darf unterschiedlich empfinden und trotzdem verbunden bleiben.

 

Der „alte weiße Mann“ kann Fakten – aber keine Beziehung!

Genau daran zerbrechen im Moment sowohl viele Partnerschaften als auch politische Systeme: Die eine Seite möchte Beziehung, die andere verteidigt ihre Position. Die eine möchte wahrgenommen werden, die andere liefert Argumente. Die eine spricht über das gemeinsame Feld, die andere darüber, wer recht hat.

Der „alte weiße Mann“ verschwindet daher nicht nur aus den Führungsetagen. Er verliert auch seinen angestammten Platz an unseren Küchentischen, in unseren Schlafzimmern und in unseren alltäglichen Gesprächen. Und das ruckelt in allen Lebensbereichen erheblich.

Denn wenn die altbekannte Hierarchie wegfällt, müssen wir Beziehung ganz neu lernen. Wir können Verantwortung nicht mehr einfach nach oben oder an den Partner abgeben. Wir müssen selbst wahrnehmen, sprechen, zuhören und unsere Wahrheit vertreten, ohne sie dem anderen überzustülpen.

Die Zukunft gehört deshalb weder dem Mann noch der Frau, weder den Jungen noch den Alten. Sie gehört einer neuen Art des Miteinanders.

Der „alte weiße Mann“ steht für eine Welt, in der einer wusste und die anderen folgten. Die neue Zeit braucht Menschen, die sich begegnen, sich gegenseitig wahrnehmen und gemeinsam etwas entstehen lassen, das keiner von ihnen allein hätte entwerfen können.

Das gilt für eine Regierung genauso wie für eine Partnerschaft.

Denn am Ende scheitern Systeme und Beziehungen selten daran, dass zu wenig Fakten vorhanden sind. Sie scheitern dort, wo Menschen einander nicht mehr erreichen.

Ein Wahlprogramm kann hervorragend ausgearbeitet und von den Fakten her richtig sein und trotzdem niemanden berühren. Ein anderer Politiker kann inhaltlich weit weniger anzubieten haben und dennoch eine Wahl bewegen, weil er Beziehung zu den Menschen herstellt. Menschen wählen Resonanz. Sie wählen den Menschen, von dem sie sich gesehen fühlen.

Darin liegt eine große Chance und eine ebenso große Gefahr.

Charisma ist noch kein Bewusstsein. Beziehung kann Menschen freier machen. Sie kann ebenso genutzt werden, um Anhänger zu binden, Ängste zu verstärken und Feindbilder aufzubauen. Deshalb reicht es für die neue Zeit nicht aus, Nähe zu erzeugen. Beziehung, Freiheit und Verantwortung müssen zusammengehören.

Die entscheidende Frage lautet: Stellt ein Mensch wahrhaftige Verbindung her, damit andere in ihre eigene Kraft kommen – oder bindet er sie an sich und seine Wahrheit? Daran werden sich neue Formen von Führung messen lassen.

Die Politik zeigt uns gerade wie unter einem Vergrößerungsglas, was überall geschieht. Alte Strukturen können die wachsende Freiheit und Eigenständigkeit der Menschen nicht mehr halten. Gleichzeitig wissen wir noch nicht, wie eine Gemeinschaft aussieht, in der Menschen frei sind und sich dennoch als verbunden erleben.

Ist Demokratie noch der richtige Begriff?

Auch die Demokratie in ihrer heutigen Form gehört auf den Prüfstand. Wir wissen nicht, ob die neue gesellschaftliche Ordnung weiterhin Demokratie heißen wird. Sie kann diesen Namen behalten und etwas vollkommen anderes bedeuten. Es können auch Formen entstehen, für die wir noch keine Worte haben. Das ist ja das Spannende an einem wirklichen Entwicklungsschritt: Wir kennen das Ergebnis vorher nicht und dürfen lernen zu vertrauen!

Wir können die neue Welt nicht mit den Denkformen der alten entwerfen, diese Zitat von Albert Einstein „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“, wird häufig angeführt. Unser gesamtes Denken verändert sich. Das menschliche Gehirn bleibt formbar, neue energetische Codierungen bringen uns neue Erfahrungen, schaffen neue Verknüpfungen und eröffnen andere Denkwege. Was gestern unvorstellbar erschien, kann morgen zu einer selbstverständlichen Möglichkeit werden. Das haben wir in den vergangenen Wochen häufig erleben dürfen.

 

 

Der Hammer, unser Weltbild war falsch!

Wir erleben diesen Wandel sogar in Bildern, die uns seit Jahrhunderten Orientierung geben.

Gerade wurde auf internationaler Ebene beschlossen, künftig eine Weltkarte zu verwenden, die die tatsächlichen Größenverhältnisse der Kontinente besser wiedergibt. Auf der vertrauten Mercator-Karte erscheint Afrika viel kleiner, während Europa, Nordamerika und die nördlichen Regionen übergroß dargestellt werden. Generationen von Menschen haben sich an einem Bild der Erde orientiert, das die geografischen Größenverhältnisse verzerrt. 

Nun wird auch dieses Bild korrigiert. Ich finde das großartig und gibt zu denken. Wer weiß, was wir noch einfach glauben und geglaubt haben! Denn es zeigt ganz konkret, wie tief die alten Weltbilder reichen. Selbst eine Landkarte ist kein neutraler Blick auf die Wirklichkeit. Sie prägt, was wir für groß, klein, zentral oder unbedeutend halten. Afrika bekommt auf der neuen Darstellung keinen künstlich größeren Platz. Es erhält den Raum, den es schon immer hatte, und auch das ist eine Korrekturbewegung. Alte koloniale Blickwinkel verlieren ihre Selbstverständlichkeit. Menschen aus Afrika und anderen Teilen der Welt treten sichtbarer in unser gemeinsames Feld. Migration bringt unterschiedliche Erfahrungen, Kulturen und Wahrheitsausschnitte unmittelbar miteinander in Berührung. Das löst Ängste und Widerstände aus. Zugleich zwingt es uns, unsere vertrauten Vorstellungen von Zugehörigkeit, Grenzen und vermeintlicher Überlegenheit neu anzuschauen.

Unsere Politik ist ein Traum!

Die Welt verändert sich nicht. Sie zeigt uns gerade, dass unsere bisherige Darstellung von ihr nie einer Wirklichkeit entsprach. Das gilt für all unsere Weltbilder, auch für Politik, Geld, Arbeit, Bildung und Gesundheit. Wir werden noch in vielen Bereichen erleben, dass scheinbar feste Wahrheiten ihre Gültigkeit verlieren oder der Blick auf sie größer wird. Berufe verschwinden oder verändern sich. Ausbildungen geben nicht mehr automatisch Sicherheit. Bildung wird Wissen nicht länger nur von oben nach unten weiterreichen können. Das Finanzsystem wird seine bisherigen Vorstellungen von Wert, Besitz und Wachstum überprüfen müssen.

Wir dürfen uns also auf einiges gefasst machen – und aus meiner Sicht auch darauf freuen.

Meine Freude entsteht aus der Sicht der Vogelperspektive. Von dort erkennen wir, dass das sichtbare und erlebbare Chaos, dass für den Einzelnen auch Dramen zur Folge haben kann, Teil einer viel größeren Neuordnung ist und unsere Schöpfung immer lösungsorientiert verläuft. So erleben wir es auch im persönlichen Leben. Wenn ein altes Weltbild zerbricht, fühlen wir uns zunächst orientierungslos. Wenn sich ein lange getragenes Thema löst, kann der Körper reagieren. Und wenn wir im Traum einen großen Entwicklungsschritt vollziehen, liefert unser Bewusstsein dazu gern Verfolgungsjagden, Abgründe und ein kleines Gemetzel. Wir wachen erschrocken auf, während auf einer anderen Ebene längst gründlich aufgeräumt wurde. So schaue ich im Moment auf die Politik.

Ich freue mich nicht über Angst, Aggression oder Ausgrenzung. Ich freue mich über die Bewegung, die darin sichtbar wird. Die alten Hierarchien und Machtstrukturen können sich nicht mehr fortsetzen. Ihre Begrenzungen treten offen zutage. Politik ist dabei nur ein Symptom unter vielen.

 

Die neue Welt hat noch keinen Namen.

Die gesamte Menschheit befindet sich in einem Entwicklungsprozess. Niemand bleibt davon unberührt. Jeder Mensch erlebt, dass alte Sicherheiten, Beziehungen, Rollen oder Überzeugungen ihre bisherige Kraft verlieren. Und jeder steht vor der Aufgabe, seine Orientierung immer weniger im Außen und immer stärker in sich selbst zu finden.

Diese innere Orientierung brauchen wir in der Übergangszeit. Sie bewahrt uns davor, aus Angst nach der nächsten Autorität zu greifen, die wieder behauptet, den einzig richtigen Weg zu kennen. Sie erlaubt uns, das Durcheinander wahrzunehmen, ohne darin unterzugehen. Wir dürfen beobachten. Wir dürfen unterscheiden, ohne zu trennen. Wir dürfen erkennen, dass eine Form zerbricht, ohne den Zerfall für das Ende zu halten.

 

Die alte Matrix verliert ihre Kraft. Eine neue Form von Bewusstsein wird sichtbar: schneller, freier, umfassender und weniger begrenzt durch die bisherigen Muster. Sie beruht auf Verbundenheit und lässt dem Einzelnen dennoch seine Eigenständigkeit.

Wie daraus Politik, Bildung, Arbeit oder Wirtschaft entstehen werden, wissen wir heute noch nicht. Das müssen wir auch nicht wissen und noch nicht benennen.

Wir erleben zum ersten Mal eine Veränderung dieser Größenordnung so unmittelbar und bewusst mit. Wir stehen mittendrin, während sich unser Denken, unsere Wahrnehmung und unsere gesamte Vorstellung vom Menschsein verschieben.

Das ist sehr anstrengend. Das ist ausgesprochen chaotisch. Und ich finde es ist großartig!

Die Frage der neuen Zeit lautet deshalb: Welche Welt entsteht durch die Art, wie jeder Einzelne von uns denkt, fühlt, spricht und wie wir alle miteinander in Beziehung gehen?

 

Liebe Grüße an Alle,

Stefanie Menzel